Silent Souls

Zwei Spatzen in einem Käfig. Seltsame Vögel werden sie auf dem Vogelmarkt genannt. Diese beiden Vögel nimmt er mit auf die traumähnliche Reise, tausende Kilometer durch unberührte Landschaften irgendwo in Russland. Aist begleitet seinen Freund bei der Verabschiedung der verstorbenen Tanja. Mit suggestiver Kraft erzählt der Film von den uralten und beinahe vergessenen Traditionen der Merja, einer ugurisch-finnischen Gemeinschaft. Totenwaschung, Schmücken der Toten wie eine Braut und ‹Rauchen›, das Erzählen der intimsten Erinnerungen an die Geliebte, spielen bei den Totenritualen der Merja eine Rolle. An einem See nehmen die Männer mit einer archaisch anmutenden Verbrennungszeremonie endgültig Abschied von der Verstorbenen. Wir Merja haben keinen Gott, sagt der Ich-Erzähler, wir kennen nur die Nächstenliebe. Dazu gehört, den besten Freund auf seiner schwierigen Abschiedsreise zu begleiten. Spätzchen nannte dieser seine geliebte Tanja. Doch in Käfig eingesperrte Vögel ertrug sie nicht. Ihre Asche übergeben die Männer denn auch der unbegrenzten Weite des Wassers.

Ob es die Merja-Kultur tatsächlich gibt, ob die Rituale wahr sind oder erfunden, wird nie ganz klar und spielt auch keine Rolle. «Silent Souls» berührt mit atemberaubenden Bildern menschliche Urthemen wie Liebe und Tod, Traditionsverlust und Sehnsucht nach Sinn. Am internationalen Filmfestival in Venedig wurde er mit den Preis für beste Fotografie ausgezeichnet.

Brigitta Rotach, Kulturjournalistin
brigitta.rotach@access.uzh.ch

«Silent Souls», Russland 2010, Regie: Aleksei Fedorchenko, Besetzung: Igor Sergeyev, Yuri Tsurilo, Yuliya Aug; Verleih: trigon-film, http://www.trigon-film.org, Filmwebsite: http://www.trigon-film.org/de/movies/Silent_Souls

Kinostart: 13. Oktober 2011