Signs
Plötzlich wird ein Mann aus dem Schlaf gerissen. Getrieben von einem bedrohlichen Gefühl stürzt Graham Hess (Mel Gibson) ins Zimmer seiner Kinder und anschliessend nach draussen. Im Maisfeld findet er Zeichen, die auf eine höhere, ausserirdische Macht verweisen.
Dem Helden fehlt der klärende Überblick, der die Zeichen in einen sinnvollen Zusammenhang rücken könnte. Hess, der durch den Autounfall seiner Frau derart traumatisiert wurde, dass er sein Amt als Pfarrer niederlegte, sieht sich und seine Familie von aussen bedroht. Die eigentliche Frage liegt jedoch tiefer. Zeichen für diesen Einbruch in die Innenwelt sind die Kornkreise, die plötzlich in den Feldern auftauchen. Es sind geheimnisvolle Runen, unverständliche Eingriffe von aussen in das Farmerleben der Familie.
Verweise auf fremde Mächte durchziehen das Filmschaffen von M. Night Shyamalan. Wie schon in «The Sixth Sense» und in «Unbreakable» ist die Hauptfigur in «Signs» geprägt von einem tiefgreifenden Verlust des Urvertrauens. Der Regisseur verwendet populäre Genres wie Science-Fiction, Mystery und Horror, bricht diese auf und organisiert sie neu in einer mehrschichtigen Erzählung. Der Umkehrpunkt am Schluss verschafft eine grundlegend neue Sicht der Dinge, quasi eine Kinoerleuchtung, die das Filmerlebnis in einen neuen Horizont rückt, der viel weiter ist, als die Erzählhandlung es vermuten liesse. In «Signs» gelangt Shyamalan nun an die Grenzen seines Erzähluniversums: Die ausgefeilte Komposition kann beim Betrachten jederzeit zur Erkenntnis führen, dass der Autor eigentlich alles weiss und er die Zuschauer lediglich über den Umweg einer raffinierten Erzählung auf eine tieferliegende Dimension verweisen möchte. Insofern kommt hier eine fantastische Trilogie der populären Metaphysik zu ihrem Abschluss.
Auffallend ist das Gleichgewicht zwischen Referenzen auf das Christentum und die Werte der amerikanischen Gesellschaft in Wechselwirkung mit der Weltanschauung des Hinduismus. Gut und Böse werden zu Facetten einer vielschichtigen, geheimnisvollen Wirklichkeit, die sich in verschiedenen Aspekten gegenseitig durchdringen. Als Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Schauspieler geniesst Shyamalan im System Hollywoods eine aussergewöhnliche Freiheit, die ihn zu einem Autorenfilmer macht und ihm erlaubt, eine eigenständige religiöse Signatur einzubringen.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Signs», USA 2002, Regie: M. Night Shyamalan, Besetzung: Mel Gibson, Joaquin Phoenix, Verleih: Buena Vista International Schweiz, Am Schanzengraben 27, 8002 Zürich, Telefon: ++41 (0)1 289 22 00, Fax: ++41 (0)1 289 22 22, Internet: http://www.buenavista.com, http://www.signs-zeichen.de, http://www.kornkreise.ch
Kinostart: 12. September
Eine ausführliche Filmkritik ist von Franz Everschor im film-dienst erschienen:
