Siddharth

Statt sich mit seinen Kameraden auf der Strasse beim Fussballspielen zu vergnügen, soll der 12-jährige Siddharth seinen Vater beim Geldverdienen unterstützen. Der Vater arbeitet als chain-wallah. Mit dem, was er beim Flicken von Reissverschlüssen auf der Strasse verdient, kann er den Unterhalt seiner vierköpfigen Familie aber nicht bestreiten. Ein entfernter Verwandter vermittelt Siddharth einen Arbeitsplatz in einer 200 km entfernten Fabrik. Als sich der Vater am Busbahnhof in New Delhi hoffnungsvoll von seinem Sohn verabschiedet, ahnt er nicht, dass es kein Wiedersehen geben wird. Anders als vereinbart kehrt Siddharth nach vier Wochen nicht nach Hause zurück, um mit seiner Familie das Lichterfest zu feiern. Für den verzweifelten Vater beginnt eine lange Odyssee, die ihn am Ende nach Mumbai bringt. Dass er nicht lesen kann, kein Foto des Jungen besitzt und nicht einmal sein genaues Geburtsdatum belegen kann, erschwert die Suche nach Siddharth.

Der spannend erzählte und betroffen machende Film dreht sich gesellschaftskritisch um Kinderarbeit und Kinderhandel. Er basiert auf einer wahren Begebenheit: Ein Rikscha-Fahrer erzählte Regisseur Richie Mehta 2010 in Delhi von dieser Geschichte. Der Film taucht mit dokumentarisch wirkenden, farbigen Bildern tief in die Lebenswirklichkeit der indischen Familie ein. Der Vater – hervorragend gespielt von Rajesh Tailand –, gibt alles, um seinen Sohn zu finden.

Hans Hodel, ehemaliger reformierter Filmbeauftragter*
hans.hodel@outlook.com

«Siddharth», Kanada / Indien 2013, 96 Minuten. Regie: Richie Mehta, Besetzung: Rajesh Tailand, Tannishtha Chatterjee, Anurag Arora; Verleih: Praesens-Film AG, Internet: http://www.praesens.com, Filmwebsite: http://siddharththefilm.com/

Kinostart: 3. Juli

*Hans Hodel ist Mitglied im reformierten Arbeitskreis Kirche und Film. In loser Folge schreiben Pfarrpersonen und kirchliche Mitarbeitende aus dem Arbeitskreis Filmtipps.