Shooting Dogs

Dass 1994 in Ruanda vor den Augen der Weltöffentlichkeit ein halbes Volk abgeschlachtet werden konnte, ist immer noch schwer zu glauben. «Shooting Dogs» erzählt die Geschichte einer Missionsschule, auf deren Gelände unzählige Tutsis in der Hoffnung auf Schutz durch die dort stationierten UN-Blauhelme flüchteten.

Der Film basiert auf wahren Begebenheiten, das Drehbuch hat ein Journalist geschrieben, der damals für die BBC in Ruanda war. So hat er sein Grauen und die eigene Hilflosigkeit verarbeitet. Erzählt wird aus der Perspektive eines europäischen Ausländers. Ein englischer Priester leitet die Schule, einer seiner Lehrer macht gerade seine ersten Afrika-Erfahrungen, der UN-Captain stammt aus Belgien. Sie alle werden überrascht von den Unruhen, allein ihre Präsenz scheint die gejagten Tutsis noch zu schützen. Hilflos werden sie von einer drohenden Hutu-Meute umzingelt.

Der Film legt den Finger in die bekannte Wunde des Versagens der UN, ja, er spitzt sie noch zu, wenn er danach fragt, warum das Eintreten für Humanität in einem afrikanischen Konflikt ausblieb. Die Besonderheit dieses Films ist die Figur des Priesters, der in allem Chaos an seinem Glauben und den kirchlichen Riten festhält. Auch der Völkermord von Ruanda stellt die Theodiezeefrage. Wenn der grossartige John Hurt als Pater Christopher bei den Verfolgten ausharrt, wird die Frage „Wo ist Gott?“ zugleich gestellt und beantwortet.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Shooting Dogs», Grossbritannien 2005, Regie: Michael Caton-Jones, Darsteller/innen: John Hurt, Claire-Hope Ashitey, Dominique Horwitz; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch

Kinostart: 23. November 2006