Séraphine
Was für ein Film: Wir sehen, wie ein Herr eine Wohnung in einem französischen Dorf bezieht und vor allem aber sehen wir seine Hausangestellte bei ihren täglichen Verrichtungen. Ohne dass viel passiert, geschieht so unwahrscheinlich viel auf der Leinwand, dass man nicht einmal blinzeln mag. Hier ist das Kino ganz bei sich selbst, ohne schnelle Story, ohne Special Effects. In durchkomponierten Szenen entfaltet sich die Geschichte der einfachen und leicht sonderbaren Séraphine, deren künstlerisches Genie Anfang des 20. Jahrhunderts von einem ihrer Brotgeber, dem deutschen Sammler Wilhelm Uhde, entdeckt wird. Ist diese Entdeckung getan, nimmt der Film zwangsläufig an Tempo zu, denn der erste Weltkrieg zieht auf. Uhde verlässt Frankreich und wird Séraphine erst viel später fördern können. Ruhm und finanzieller Segen bekommen ihr nicht. Das Ende ist tragisch, wie fürs Kino erfunden, doch basiert der preisgekrönte Film auf der Lebensgeschichte der Malerin Séraphine Louis.
Neben einer feinen unaufdringlichen Epochenzeichnung fokussiert er auf seine Hauptfigur, die durch Yolande Moreau kongenial verkörpert wird. Wenn sie beim Malen in eine Art religiöse Verzückung gerät, fällt alles Schwerfällige von ihr ab, und sie gibt sich mädchenhaft alterslos ihrer Kunst hin. Als Zuschauerin kann man nicht anders und schaut ihr dabei ebenso hingebungsvoll zu.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
„Séraphine“, Frankreich 2008, Regie: Martin Provost, Besetzung: Yolande Moreau, Ulrich Tukur, Anne Bennent; Verleih: Xenix Filmdistribution, Internet: http://www.xenixfilm.ch, Filmwebsite: http://www.seraphine-lefilm.com
Kinostart: 30. Juli 2009
| „Séraphine“ ist Film des Monats August. Das pdf zum Film des Monats ist abrufbar unter: medientipp.ch/pdf/filmtipp_200908.pdf
Qual der Wahl beim Film des Monats August |
