„Selber denken“ – trotz allem

Am 4. Dezember haben die Reformierten Medien ihre Plakatkampagne gestartet. Zehn von fünfzehn Deutschschweizer Kantonalkirchen beteiligen sich an der Aktion. Insgesamt rund 3000 Plakate mit vier verschiedenen Sujets sollen die reformierte Kirche bekannter machen. Die Kampagne hatte bereits im Vorfeld von sich reden gemacht, weil die Zürcher und die Bündner Kantonalkirche kurzfristig ausgestiegen waren.

Früher hatten die Kirchen keine Werbung nötig. Doch heute kennt und versteht manch einer die Kirche nicht mehr. Deshalb haben die Reformierten Medien, das Kommunikationsunternehmen der evangelisch-reformierten Kirchen der Deutschschweiz, eine Plakatkampagne lanciert. Ziel der Aktion ist, die evangelisch-reformierten Landeskirchen bei ihren distanzierten Mitgliedern und in der breiten Öffentlichkeit besser bekannt zu machen. Präsentiert werden vier Plakate mit photografischen Sujets zu den Themen Schöpfung, Toleranz, Respekt und Zukunft, als Slogan steht jeweils „Selber denken. Die Reformierten“. Sie wollen das Publikum auffordern, sich eigene Gedanken zu machen zu Themen, die alle angehen; dies ganz im Sinn der von der Reformation geforderten Mündigkeit der Gläubigen.
Auf den Plakaten sind unter dem Stichwort „Schöpfung“ geklonte Frauen zu sehen, unter „Toleranz“ eine ethnisch gemischte Jodlergruppe, unter „Respekt“ ein reicher Passant vor einem schlafenden Obdachlosen und unter „Zukunft“ ein tiefgefrorener Männerkörper.

Zu wenig spirituell?

Diese Umsetzung rief Widerspruch hervor. Mitte November zog der Zürcher Kirchenrat nach anfänglicher Zustimmung seine Beteiligung an der von der Werbeagentur Wirz gestalteten Kampagne überraschend zurück. Als Begründung schrieb er, die reformierten Anliegen seien nicht verständlich dargestellt worden. Er vermisse die spirituelle Ebene, die in den präsentierten sozialethischen Motiven zu wenig zum Ausdruck käme. Von einem Teil der Zürcher Synode wurde ausserdem der Ausdruck „selber denken“ als überheblich und hinsichtlich der ökumenischen Diskussion als kontraproduktiv empfunden. Nach dem Nein der Zürcher Kirche stieg auch die Bündner Kirche aus der Aktion aus.

An der Pressekonferenz vom 4. Dezember betonten die Initianten der Kampagne, dass ihre Aktion ein Pilotprojekt sei, mit dem neue Möglichkeiten kirchlicher Kommunikation in der breiten Öffentlichkeit getestet werden sollen. Sie räumten ein, dass das Experiment nur teilweise gelungen sei. Die innerkirchlichen Uneinigkeiten, die der Kampagne vorangingen, sollen in der begleitenden Untersuchung, die für die nächsten Monate geplant ist, unter die Lupe genommen werden. Daneben finden Untersuchungen zur Wirkung der Plakataktion und eine systematische Erfassung der Echos statt. Im März 2001 wird eine Auswertung publiziert. Bis dahin hoffen die Initianten, eine Diskussion auszulösen. Reaktionen können beispielsweise im Internet-Portal http://www.ref.ch angebracht werden, das zum Start der Plakataktion mit einer neuen inhaltlichen Gestaltung und in einem neuen Layout daherkommt.

Die aktuelle Ausgabe des Medienhefts publiziert einen Kommentar zur Plakatkampagne der Reformierten Medien.