SeelenSchatten

Über Müdigkeit, Antriebslosigkeit, anhaltende Melancholie und andere depressive Stimmungen beklagen sich im Spätherbst viele Menschen. Aber was Depression als Krankheit ist, wo ihre tiefste Ursache liegt, wie sie sich ausdrückt, welche Folgen sie für die betroffenen Menschen hat, und wie diese damit umgehen, ist wenigen bekannt. Es ist auch schwierig zu vermitteln. Dabei brauchen sie, die häufig wie in ein schwarzes Loch fallen, sich aus dem Berufs- und Alltagsleben zurückziehen und keine Kraft mehr haben, etwas wollen zu können, verständnisvolle Begleitung und Hilfe von aussen.

Der Zürcher Filmemacher Dieter Gränicher leistet dazu mit seiner bewundernswerten geduldigen Art der Zuwendung und des Hinhörens eine erstaunliche Vermittlungsarbeit. Es ist ihm gelungen, mit Menschen unterschiedlichen Alters und sozialer Stellung, die unter schweren Depressionen leiden und deshalb zu einem Klinikaufenthalt gezwungen waren, während anderthalb Jahren eine von einfühlsamer Nähe und respektvoller Distanz geprägte Beziehung zu pflegen und sie über sich und ihre Krankheit erzählen zu lassen. Dass die Kamera immer die Menschen im Blickfeld hat und darauf verzichtet wird, «Depression» zum Gegenstand psychiatrischer Erläuterungen oder wissenschaftlicher Expertisen zu machen, ist die besondere Qualität dieses bewegenden Films.

Hans Hodel, Filmbeauftragter Reformierte Medien

SeelenSchatten, Dokumentarfilm Schweiz 2002, Regie: Dieter Gränicher, Produktion: momenta film, http://www.momentafilm.ch, Verleih: Filmcooperative, Heinrichstr. 114, 8005 Zürich, Telefon: ++41 (0)1 448 44 22, Fax: ++41 (0)1 448 44 28, E-Mail: info@filmcoopi.ch, Internet: http://www.filmcoopi.ch, http://www.depressionen-film.ch

Die Kritik zum Film des Monats kann als pdf-Datei geladen werden unter: http://www.kath.ch/pdf/filmtipp_1102.pdf

Kinostart: 14. November 2002