Schweizerin gewinnt den Grossen Preis der Stadt Oberhausen

Vom 22.-27. April fanden die 45. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen (D) unter dem Motto „Think Short“ statt. Ein kurzer Rückblick.

Über 2500 Filme aus fünf Kontinenten wurden dieses Jahr von Film- und Videoschaffenden eingereicht. Rund hundert davon waren im Internationalen Wettbewerb und rund dreissig im Deutschen Wettbewerb zu sehen. Insgesamt wurden elf Wettbewerbspreise vergeben. Hauptpreis war auch dieses Jahr der mit 10´000 Mark dotierte Grosse Preis der Stadt Oberhausen. Dieser ging an die Schweizer Filmemacherin Rita Küng aus Luzern für ihren Animationsfilm „La différence“. Der achteinhalbminütige Trickfilm setzt sich auf spielerische Weise mit den komplexen Themen Transvestismus und Transsexualität auseinander. Er wird für den Zuschauer zu einer Entdeckungsreise, in der eigene Vorstellungen, Meinungen und Urteile reflektiert werden können.

Die 1970 in Muri AG geborene Preisträgerin Rita Küng absolvierte eine kaufmännische Lehre, besuchte drei Jahre die Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern und bildete sich später im Fachbereich Computer- und Video-Animation aus. Seit 1997 ist sie freischaffende visuelle Gestalterin, Produzentin und Animationsfilmemacherin.

„La différence“

Rita Küng beschäftigt sich seit langem mit den Schlagworten Androgynität, Transvestismus und Transsexualität. Sie versuchte herauszufinden, warum diese Zeitphänomene gleichzeitig so faszinierend verwirrend sind. Durch theoretische Recherchen und durch Gespräche mit „Betroffenen“ gewann die Animationskünstlerin neue An- und Einsichten in aussergewöhnliche und menschlich doch so normale Lebensweisen von verschiedenen Geschlechter-Identitäten. So entstand eine Flut von Bild- und Situations-Ideen, die sich im Film zu einem vielschichtigen Puzzle zusammenfügten. Die Internationale Jury schreibt in ihrer Begründung: „Die innovative Herangehensweise an das Konzept von Geschlecht und Sexualität ist das zentrale Thema dieses sehr schönen Films. Die Form der Animation war entscheidend für die Darstellung und dafür, den Naturbegriff auf radikale Weise neu zu überdenken.“

Kirche und Film

Für „La différence“ konnte Rita Küng neben dem Grossen Preis der Stadt Oberhausen auch eine Lobende Erwähnung der Evangelischen Jury entgegennehmen. Der Preis der Evangelischen Jury ging an „X 2000“ des Franzosen Francois Ozon (1998), ein Film über den ersten Morgen des Jahres 2000. Die Katholische Jury, seit 1963 in Oberhausen dabei, vergab ihren Preis an „Adieu monde ou l´histoire de Pierre et Claire“ der Französin Sandra Kogut (1997). Der Film erzählt die sagenumwobene Liebesgeschichte eines Schafhirten in einem französischen Gebirgstal. Zwei lobende Erwähnungen gingen an „Quieres que te lo cuente?“ von Jurdao und Bianco Faemino (Spanien 1998) und „En El Espejo Del Cielo“ von Carlos Salces (Mexico 1998). Im kommenden Jahr werden die beiden Jurys voraussichtlich zu einer ökumenischen verschmolzen.

Am traditionellen ökumenische Empfang, zu dem die katholische und die evangelische Stadtkirche von Oberhausen gemeinsam einluden, zeigten zwei Videokünstler ihre Musik-Clips. Diese waren vom Festival mit dem erstmals vergebenen „MuVi“-Musikvideopreis für die beste visuelle Umsetzung eines Musikstücks ausgezeichnet worden.

Christian Murer