Schweizer Schule 12 / 97: Film in der Schule

Dient der Film vor allem der Erholung vom Alltagsstress oder kann ein Kinogang auch eine anspruchsvolle Tätigkeit bedeuten? Ist Film ein reines Konsumgut oder ein ernstzunehmendes Medium? Diese Fragen stellen sich nicht nur – aber auch – für die Schule. Denn auch dort gilt Film oft nur als Gebrauchskunst und Unterhaltung. Film muss banal sein und Banales, so der zwingende Schluss, gehört nicht in die Schule. Die Dezember-Ausgabe der „Schweizer Schule“ will solche Vorurteile abbauen und widmet sich dem Thema „Film in der Schule“. In dem Heft – das auch für Interessierte, die nicht im Lehrbetrieb tätig sind lesenswert ist – kommen Vertreter und Vertreterinnen der Branche zu Wort, und es werden Möglichkeiten vorgestellt, wie Filme in Unterricht und Erziehung eingesetzt werden können.

Der Regisseur Nino Jacusso macht sich grundsätzliche Überlegungen zum Thema Bild. Er sieht im Film eine neue Sprache, einen neuen Code. Der Film vermittelt Inhalte in einer Sprache, die wir – wie jede andere Sprache auch – zuerst verstehen müssen. Wir aber glauben meistens, die Bilder nicht lesen lernen zu müssen. Wir haben uns an den Film gewöhnt aber der komplizierte Vorgang seiner Bildersprache ist uns heute nicht mehr bewusst. Doch genau diese Bewusstlosigkeit gegenüber dem Filmcode ist es, die uns empfänglich macht für Beeinflussung, Manipulation. Filme anschauen, so Jacusso, sollte das Gegenteil von passiv sein, es sollte aktiv und darüber hinaus anstrengend sein. Seiner Forderung nach praxistauglichen Instrumenten für die Schule kommt Nino Jacusso gleich selbst mit einer Lektionsreihe nach. Die Schülerinnen und Schüler werden über Drehbuch, Découpage (Auflösung des Textes in Bilder), Filmfinanzierung u.a.m. informiert und sollen für versteckte Markenrodukte (Product Placement) im Film sensibilisiert werden. Ein filmdidaktisches Lehrwerk wird mit dem Medienpaket Anna annA vorgestellt. Die seltene Kombination einer beiderseits gelungenen Buch- und Filmfassung des gleichen Stoffes prädestiniert Anna annA für ein medienpädagogisches Angebot. Die Materialen aus Produktion und Promotion des Films, die das Paket enthält, werden im Artikel vorgestellt und kommentiert.

Durch seine Basisarbeit bekannt geworden ist der Kinderfilmklub Zauberlaterne. Er geht vom Grundgedanken aus, dass Kinder sehr früh Bildern und Tönen ausgesetzt sind, auf die sie nicht vorbereitet sind. Die Zauberlaterne will die Filmbildung der Kinder mit einem Zugang fördern, der ihren Erfahrungen, Möglichkeiten und Bedürfnissen angemessen ist. Sie bietet mittlerweile 22´000 Kindern als Mitglieder sorgfältig ausgewählte Filme, die ausführlich dokumentiert sind und in einem richtigen Kino mit vorgängiger Animation präsentiert werden. Silvia Horisberger, Koordinatorin der Zauberlaterne in der deutschen Schweiz, beschreibt das Projekt des Kinderfilmclubs.

Hinweise zu produktiver und kreativer Arbeit mit Filmen im Unterricht gibt der Artikel von Charles Martig. Der Filmbeauftragte des Katholischen Mediendienstes stellt aus dem Angebot von ZOOM Verleih sehenswerte Filme vor, die auf 16mm und Video erhältlich sind.

Die Nummer 12/97 der „Schweizer Schule“ kann bestellt werden bei: Administration „schweizer schule“, Reinhardt Media Service, Frau Guerra, Missionsstrasse 36, 4012 Ba-sel. Tel: 061/264 64 64, Fax: 061/264 64 65.