Re: Tunesiens verlorene Jugend

Die Ende Januar in Tunesien eskalierten Proteste zeigen, wie verzweifelt viele junge Tunesier sind. Der arabische Frühling ist aus Sicht der Jugend gescheitert, Korruption und Willkür bestimmen den Alltag. Die Folge: jedes Jahr machen sich Tausende auf den Weg nach Europa. Allein 2020 kamen über 12’000 Tunesier auf Lampedusa und Sizilien an. Die durch Corona ausgelöste Krise wird 2021 noch mehr Menschen in die Boote treiben. Doch nicht nur Europa ist das Ziel perspektivloser junger Tunesier. Mehrere tausend sind nach Syrien und Libyen gegangen und kämpfen dort für islamistische Terrorgruppen wie den IS. Zuvor wurden sie in Tunesien radikalisiert. Die Behörden sind sich des Problems bewusst. Wer unter Verdacht gerät, muss mit harten Einschränkungen leben, findet kaum noch eine Wohnung oder Arbeit und steht permanent mit einem Bein im Gefängnis. Eine Stigmatisierung, die viele junge Leute in Tunesien erst recht in die Arme der Radikalen treibt …