Que sera?
Im «Domicil für Senioren Schönegg» steht die Zeit still. Am Endpunkt des Lebens ist die Langeweile der alltägliche Normalzustand. Tag für Tag sitzen Lydia, Hélène, Claire und Gottfried zusammen und schweigen sich an. Von Zeit zu Zeit fällt ein Wort, eigentliche Gespräche gibt es keine mehr. Durch den Einzug der Kinderkrippe «MixMax» im oberen Stockwerk des Gebäudes kommt wieder Leben ins Haus. Doch auf die Begegnung mit den kleinen Kindern können sich nur Lydia und Hélène einlassen, die in der Kindertagesstätte mitbasteln und malen. Für andere ist der Weg zu den Kindern versperrt. Sie haben sich nichts mehr zu sagen und warten in den Korridoren des Pflegeheims auf ihren Tod.
Dieter Fahrer dokumentiert die Begegnung von sozialen Räumen und Lebensaltern. Dabei gelingt ihm die Gegenüberstellung von fünf Porträts mit dem Heimalltag. Das Experiment mit der Kinderkrippe im Pflegeheim hat etwas Faszinierendes. Die Erfahrungen sind aber auch ernüchternd: Was haben sich ganz alte und ganz junge Menschen überhaupt noch zu sagen? Was können sie voneinander lernen? Die präzise dokumentarische Suchbewegung führt zu vielen Fragen und vielleicht zur Erkenntnis, dass das Zusammenfallen von Tod und Geburt heute vielmehr eine existentielle Metapher als eine konkrete Lebenserfahrung ist. Fahrers Blick in die Ränder des sozialen Bewusstseins beschönigt nichts. Er respektiert aber die Würde dieser alten Menschen im Augenblick ihres Abschieds.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Que sera?», Schweiz 2004, Regie: Dieter Fahrer, Besetzung: Lydia Baumann, Nelly Bloch, Hélène Fischer, Klara Mischler, Claire Suter, Gottfried Zürcher; Verleih: Look Now!, Internet: http://www.looknow.ch
Kinostart: 14. Oktober 2004
