Quando ero Cloclo

Mo 10.12.,
medientipp

Als Show-Moderator ist er beim Tessiner Radio und Fernsehen RSI berühmt geworden, doch die Spannung in seinem Leben fasste schon in der Kindheit Fuss. Stefano Knuchel dokumentiert anhand seiner und der Erinnerungen der Eltern eine Familiengeschichte auf der Flucht vor der Wirklichkeit und den Behörden. Der Vater ergaunert sich Geld indem er Dinge entweder viel zu teuer verkauft oder viel mehr verkauft, als er anbieten kann. Auch vom Mietezahlen hält er nichts. Die Folge: Familie Knuchel zieht dauernd um, bis zu 50 Mal in 20 Jahren. Dann wird der Vater verhaftet. Die Mutter lässt sich scheiden, verschafft der Familie damit die nötige Ruhe und findet später eine neue Liebe. Der Weg zu diesem Wendepunkt führt vom Tessin ins Wallis nach Spanien, Frankreich und wieder zurück in die Schweiz.

Stefano, das zweitjüngste von fünf Geschwistern, skizziert die Reise zu sich selbst mit einer verspielten Mischung zwischen kindlicher Faszination und einem Hauch von Wehmut. Traumbilder spiegeln das Erlebte wider, Gefühle werden sichtbar gemacht. Da ist die Stripperin im Nachtclub der Eltern, die mit einem lebendigen Bären auftritt und da sind die Shows von Stefano als kleiner Claude François-Imitator «Cloclo». Das trägt ihn durch die dunklen Tage, an denen er sich einsam und wurzellos fühlt. Letztlich hat die Rastlosigkeit des Vaters ihn stark, aber seine Geschwister krank gemacht. Trotzdem ist Knuchels Blick zurück ein Blick nach vorne: «Wir leben noch».

Sarah Stutte, Filmjournalistin

«Quando ero Cloclo» (Quand j’étais Cloclo), Schweiz 2017, Regie: Stefano Knuchel, Verleih: Outside the Box, http://www.outside-thebox.ch

Kinostart: 28. Juni 2018