Quand on a 17 ans
Damien (Kacey Mottet Klein) und Thomas (Corentin Fila) können sich nicht besonders gut leiden. Der eine ist gerade mit seinen Eltern – Vater Helikopterpilot bei der Armee, Mutter Ärztin – neu ins Dorf gezogen. Der andere nimmt jeden Tag drei Stunden Weg in Kauf, um vom Berghof seiner Adoptiveltern zur Schule zu kommen. Als Thomas Mutter für längere Zeit ins Spital muss, beschliesst Damiens Mutter als behandelnde Ärztin, den Jungen solange bei sich aufzunehmen. Dadurch wachsen die Spannungen zwischen den beiden 17-Jährigen, die eigentlich nicht aus Hass aufeinander entstehen.
André Téchiné widmete sich schon 1994 in «Wilde Herzen» dem Thema des Erwachsenwerdens und den ersten sexuellen, auch homoerotischen Erfahrungen. Doch diesmal ist der Fokus ganz auf die zwei Darsteller ausgelegt, ihre anfängliche Abneigung, die sich in handfesten Körperlichkeiten entlädt, um dann umso intensiver in Zuneigung umzuschlagen. Kacey Mottet Klein und Corentin Fila spielen eindringlich, authentisch und ohne falsche Scham zwei Teenager, welche die explosive Stimmung zwischen ihnen nicht richtig einordnen können und aus Wut darüber und Angst davor handeln. Téchiné fängt diese flirrende Atmosphäre in wuchtigen Bildern ein, vor imposanten Bergpanoramen und nächtlich-schimmernden Seen. Vor allem aber erzählt er eine sehr wahre Geschichte über das Wachsen, über die Fragilität der ersten Gefühle, über Verlust, Identitätsfindung und das Vertrauen in sich selbst.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
«Quand on a 17 ans», Frankreich 2016, Regie: André Téchiné, Besetzung: Kacey Mottet Klein, Corentin Fila, Sandrine Kiberlain; Verleih: Frenetic Films, http://www.frenetic.ch
Kinostart: 15. Dezember 2016
