Qualität und Engagement: Dank an Franz Ulrich

ZOOM, Zeitschrift für Film, verabschiedet sich von ihrem Redaktor Franz Ulrich, der während 33 Jahren das Erscheinen der Zeitschrift durch seine grossartige Arbeit entscheidend mitgeprägt hat.

Mit der Juni/Juli-Ausgabe von ZOOM verlässt Franz Ulrich die Redaktion. Über dreissig Jahre hat er als engagierter Filmjournalist und profunder Kenner der Filmgeschichte die Zeitschrift massgeblich mitgeprägt. Seine reiche Erfahrung und Sachkompetenz hat er sich seit 1966 als Redaktor des „katholischen Filmberater“ und ab 1973 in der ökumenischen Zeitschrift ZOOM eingebracht. Inhaltlicher Schwerpunkt seiner journalistischen Tätigkeit war einerseits die kritische und anregende Begleitung des neuen Schweizer Films mit der Berichterstattung über die Solothurner Filmtage und mit zahlreichen Filmkritiken, die mit Einfühlungsvermögen und Genauigkeit den Kern eines Werkes freilegten. Andererseits überzeugte seine regelmäs- sige Festivalberichterstattung unter anderem aus Venedig und Cannes, die mit Weitblick und Sicherheit neue Tendenzen des Filmschaffens festhielt.

Franz Ulrich hat in seiner filmpublizistischen Arbeit immer eine wohltuende Bescheidenheit gepflegt. Er hat sich stets als interessierter Zuschauer verstanden, der seine Erfahrungen und Erkenntnisse mit seiner Leserschaft teilt. Vom überheblichen Gestus des allwissenden Filmkritikers hat er sich klar distanziert. Damit ist ihm als Filmjournalist die Balance zwischen einer grossen Fachkompetenz und einem offenen Blick für das Neue gelungen.
Dreiunddreissig Jahre Dienst auf dem gleichen Redaktionsstuhl sind für einen Journalisten eher unüblich. Der Grund für diese langjährige Treue liegt nicht zuletzt in der bemerkenswerten Unabhängigkeit, die die Kirchen der ZOOM-Redaktion gewährt haben. Franz Ulrich wusste sich der kirchlichen Filmpublizistik verpflichtet und hat gleichzeitig den Freiraum in der Redaktion genutzt. Neben der ästhetischen Auseinandersetzung mit Filmen hat er sich immer auch für eine sozialethische Position stark gemacht. In der Auswahl der Themen und ausführlichen Kritiken sowie in der redaktionellen Gestaltung hat er sein katholisches Selbstverständnis eingebracht und mit einer kritischen Zeitgenossenschaft kombiniert. Gesellschaftliche und kulturpolitische Anliegen, insbesondere des Schweizer Filmschaffens, hat er mit engagiertem Feuer vertreten, nicht zuletzt in der Präzision seines sprachlichen Ausdrucks.

Mit der neuen Schweizer Filmzeitschrift ab August 1999 ist auch ein Wechsel in der Redaktion angesagt. Franz Ulrich hat sich für die Entwicklung offen gezeigt und hat mit seinem Ausscheiden aus der Redaktion ZOOM und der damit verbundenen teilweisen Frühpensionierung eine personelle Neubesetzung ermöglicht. Die Veränderung ist jedoch kein Abschied. Franz Ulrich wird sich weiterhin in der kirchlichen Filmpublizistik engagieren und bleibt den Leserinnen und Lesern der Zeitschrift als freier Mitarbeiter erhalten. Auch in Zukunft wird sein „filmjournalistisches Feingefühl“ im Kritikenteil einfliessen, sowohl bei den Kurzbesprechungen als auch in ausführlichen Filmkritiken. Sein filmhistorisches Fachwissen bleibt glücklicherweise auch der Dokumentation für Film sowie dem Katholischen Mediendienst in einer neuen Anstellung erhalten.

Franz Ulrich hat der Zeitschrift – seit 1989 zusammen mit Judith Waldner und Dominik Slappnig – ein unverwechselbares Profil gegeben und über Jahrzehnte an der Weiterentwicklung mitgearbeitet. Sein Name ist zum Zeichen einer vertrauten Qualität in der Filmbesprechung geworden. Dafür möchten wir ihm herzlich danken. Seine Veränderung steht im Zeichen der Kontinuität und wir wünschen deshalb Franz Ulrich eine gute Überfahrt mit viel Rückenwind in die neue Aufgabe.

Charles Martig und Matthias Loretan
Katholischer Mediendienst