Preisvergabe der Ökumenischen Jury Fribourg
Mit 27´000 Zuschauern verzeichnete die 17. Ausgabe des Internationalen Filmfestivals Fribourg, das am Sonntagabend mit der Preisverleihung zu Ende ging, einen neuen Besucherrekord. Die Ökumenische Jury vergibt ihren Preis an den tunesischen Film „Arais al Tein“ von Nouri Bouzid. Eine lobende Erwähnung der Ökumenischen Jury fand „Zendan-e Zanan“ (Prison de femmes) von Manijeh Hekmat. Durch die aktuelle weltpolitische Entwicklung zeigte das Festivalprogramm besonders deutlich, wie notwendig die Auseinandersetzung über die unterschiedliche Wahrnehmung unseres Alltags ist, wenn ein Verständnis für andere Sicht- und Denkweisen entstehen soll. Auffällig war in diesem Zusammenhang das grosse Publikumsinteresse an der neuen Sektion „Dokumentarfilme im Wettbewerb“, die den Preis der Politischen Presse ablöste und Werke engagierter Filmschaffender präsentierte.
Preisträger aus Lateinamerika und Israel
Der „Regard d´Or“ der internationalen Jury ging an den argentinischen Regisseur Carlos Sorin und seinen Film „Historias minimas“. Der Preis ist mit 30´000 Franken dotiert und wird vom Kanton und der Stadt Freiburg vergeben. Die internationale Jury war überzeugt von diesem „poetischen Film, in welchem die Einfachheit der Geschichten zu einem cineastischen Stil“ verdichtet wird. Der auf Filme aus dem Süden spezialisierte Verleih trigon-film wird den Preisträger im Herbst in die Schweizer Kinos bringen. Der mit 5´000 Franken dotierte Spezialpreis der Jury, der durch die Schweizerische Autorengesellschaft SSA und Suissimage vergeben wird, ging an das Erstlingswerk „Caja Negra“ des jungen argentinischen Regisseurs Luis Ortega. Gleichzeitig erhielt der Film auch den Preis der Internationalen Vereinigung der Filmclubs (FICC) und den Preis der Jugendjury.
Im Wettbewerb der Dokumentarfilme ging der mit 6´000 Franken dotierte Preis, der durch die Zeitung „La Liberté“ und das Westschweizer Fernsehen TSR vergeben wird, an den israelischen Regisseur David Benchetrit und seinen Film „Kaddim Wind – Moroccan Chronicle“. Die Wahl fiel auf diesen Film wegen seines „gut gelungenen und mutigen Versuchs, ein wichtiges Element innerhalb der verworrenen politischen Situation im Nahen Osten zu erforschen“. Die Jury stellt zudem fest, dass sich alle Regisseure des Dokumentarfilm-Wettbewerbs dem Anspruch gestellt haben, einen Film mit genauer Ausrichtung und Fokussierung auf die sozialen und politischen Hintergründe ihres Landes zu realisieren. Filme wie „Jenin .Jenin“ von Mohamed Bakri, „Senorita Extraviada“ von Lourdes Portillo, „Aparte“ von Mario Handler oder „Kaddim Wind“ von David Benchetrit – alle Regisseure waren während des Festivals anwesend – konfrontierten die Zuschauer oft mit schmerzlichen Erfahrungen. Das Publikum nutzte jedoch die anschliessenden Gesprächsrunden zur Diskussion und Reflexion.
Preis der Ökumenischen Jury
Der von Brot für alle und Fastenopfer mit Fr. 5´000 dotierte Preis der Ökumenischen Jury ging an den tunesischen Film „Arais al Tein“ (Poupées d´argile) von Nouri Bouzid, der die Geschichte der kleinen Feddha erzählt. Wie andere Kinder und junge Frauen vom Dorf ist sie in die Stadt gekommen, um als „Mädchen für alles“ zu arbeiten. Die Jury hat den Film ausgewählt „wegen seiner überzeugenden cinemathographischen Qualität und seinem universellen Anspruch.“ Dieser gilt dem Respekt vor dem Recht aller Menschen, seien es Kinder, Frauen oder Männer, sich in Würde zu entfalten.
Eine Lobende Erwähnung vergab die Ökumenische Jury an den iranischen Film „Zendan-e Zanan“ (Prison de femmes) von Manijeh Hekmat, der über einen längeren Zeitraum den Lebensalltag von Frauen schildert, die wegen verschiedener Delikte im Gefängnis sitzen. „Die junge engagierte Regisseurin zeigt beispielhaft, dass jeder auf den andern hören, seine Sichtweise und sein Verhalten ändern muss, wenn sich die Welt ändern soll. Der Film ist trotz der Gefängnissituation ein Hymnus auf die Solidarität und die Freiheit“, betont die Jury in ihrer Begründung.
Mitglieder der Ökumenischen Jury waren: Jacques Guillon (Frankreich/Schweiz), Jacques Michel (Schweiz), Bernd Wolpert (Deutschland) und Mathalie Roncier (Frankreich).
Hans Hodel, Filmbeauftragter Reformierte Medien
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