Petite Nature

Eine «Petit Nature» ist ein Sensibelchen, ein Softie. Der zehnjährige Johnny ist zwar sensibel, aber keinesfalls ein Softie. Er bringt seine betrunkene Mutter ins Bett und hütet in seiner Freizeit seine fünfjährige Schwester. Sein älterer Bruder hängt lieber mit seinen Kumpels ab und kifft. Die Familie wohnt in einem Städtchen in der Nähe von Metz. Dort war Johnny allerdings noch nie. Die Familie vergnügt sich auf einem Rummelplatz, wo die Mutter sich betrinkt und mit Männern rummacht.

Als die Freundin von Johnnys neuem Lehrer den interessierten Jungen zu einem Museumsbesuch nach Metz einlädt, geht diesem eine Welt auf. Johnny bewegt sich traumwandlerisch durch die Ausstellung und ist überwältigt von den Bildern und der Musik. Beim anschliessenden Nachtessen unter Erwachsenen blüht er auf. Hört interessiert zu und bringt sich eloquent mit seinen Dialektkenntnissen ein.

Johnny nimmt mit seinen zehn Jahren auch die sozialen Grenzen haarscharf wahr. Er will nicht mehr länger die Billig-Cola trinken und Hamburger essen. Er will staatliche Unterstützung erhalten, um auf ein Internat zu gehen. Johnny fühlt sich hingezogen zum kultivierten Lehrer, der den besonderen Jungen unter seine Fittiche genommen hat. Johnny sucht die Nähe zu seinem Lehrer und tut dies, wie er es gelernt hat, auf die falsche Art. Und wieder stösst er mit aller Härte auf eine neue Grenze.

Eva Meienberg

«Petite Nature», Frankreich 2021, Regie: Samuel Theis, Besetzung: Aliocha Reinert, Antoine Reinartz, Mélissa Olexa; Verleih: cineworx.ch, Internet: Filmwebsite

Kinostart: 7. April 2022