Pausenlos

„Wenn Gott gewollt hätte, dass wir keine Zeit haben, wieso hat er dann so viel davon gemacht?“ meinte zu Studienzeiten ein Kollege lakonisch. Ich nehme an, auch er fragt sich heute an so manchem Abend, wo sie denn geblieben sei, die Zeit. Wie sehr wir in ständiger Betriebsamkeit leben und geradezu pausenlos beschäftigt sind, führt der neue Dokumentarfilm von Dieter Gränicher vor. Er porträtiert Menschen wie dich und mich bei der Arbeit, in der verplanten Freizeit, bei freiwilligen, aber auch bei unfreiwilligen Auszeiten. Dazwischen lässt er den Zeitforscher Karlheinz Geissler zu Wort kommen, der sagt, Liebe sei Zeitvergessenheit, Arbeit jedoch Zeitversessenheit.

Wer dem Film folgt, wird angeregt sich mit dem eigenen Zeitmanagement auseinanderzusetzen, und muss feststellen, welche Verzweckung bereits in diesem Wort versteckt liegt. Das Nichtstun, so scheint es, haben wir gründlich verlernt. Sich Zeit zu lassen oder Ruhe auszuhalten, ist anstrengend, wie die Episoden bei den Schwestern im Sonnenhof, Gelterkinden, zeigen. Zuweilen wünscht man sich, der Regisseur würde dem Publikum mehr Zeit geben und seinem Film selbst Pausen gönnen. Doch dann hätte eines der Porträts wegfallen müssen, nur welches? Sie bieten so unterschiedliche wie vielfältige Anknüpfungspunkte für ein breites interessiertes Publikum.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

„Pausenlos“, Schweiz 2009, Regie: Dieter Gränicher; Dokumentarfilm mit Karlheinz A. Geissler, Gabriela Bohler, Didier Plaschy, Schwester Sabine u.a.; Verleih: Filmcooperative Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: http://www.pausenlos-film.ch

Kinostart: 5. Februar 2009

Matinée mit Diskussion in Basel
Sonntag, 1. Februar, 11.00 Uhr, kult.kino camera
http://www.kultkino.ch