On the Road

Walter Salles versucht das Unmögliche und verfilmt den Beatnik-Klassikers «On the Road». Die Romanvorlage von Jack Kerouac aus dem Jahr 1957 hat eine ganze Generation inspiriert und geprägt. Diese Ikone für die Leinwand zu adaptieren kommt einem Sakrileg gleich. Und so muss der Film aus einer inneren Logik heraus an den Zuschauer-Erwartungen scheitern. Atmosphärisch gelingt allerdings über weite Strecken ein gelungenes Bild aus jener Zeit des Aufbruchs: Die Männerfreundschaft zwischen Sal Paradise, der melancholische, mit dem Leben ringende Schriftsteller und dem Lebemann Dean Moriarty zeigt sich als Reigen zwischen Autofahrten, Drogen und Frauen. Die emotionalen Abgründe dieser Beziehung kann der Film jedoch nicht wirklich öffnen. Salles bleibt hinter dem intellektuellen und gesellschaftspolitischen Anspruch des Werkes zurück.

Auf der langen Suche nach einem geeigneten Regisseur stiess der Filmproduzent Francis Ford Coppola auf den Brasilianer Walter Salles, der sich durch die faszinierende Reisegeschichte «Diarios de motocicleta» aus den Jugendjahren von Che Guevara empfahl. Der visuelle Look des Roadmovies überzeugt, ebenso das Casting der Jungstars. Doch die Dramaturgie des Films leidet unter der Aneinanderreihung von Szenen, die aus heutiger Sicht gar nicht mehr so revolutionär wirken, wie sie in den 1950ern von Jack Kerouac intendiert waren.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«On the Road», Frankreich/Grossbritanien/USA 2012, Regie: Walter Salles, Besetzung: Sam Riley, Kristen Stewart, Garrett Hedlund; Filmcoopi Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: http://www.ontheroad-themovie.com/?lang=en

Kinostart: 1. November 2012