Ökumenische Filmpreise an der Berlinale
(medientipp) Die ökumenische Jury hat an den 65. Filmfestspielen in Berlin drei Preise verliehen an Patricio Guzmán für «El botón de nácar», Hal Hartley für «Ned Rifle» und Rabah Ameur-Zaïmeche für «Histoire de Judas».
Im Internationen Wettbewerb geht der Preis an den Dokumentarfilm von Patricio Guzmán. In «El botón de nácar» zeigt Guzmán die bewegende Geschichte der Menschen von Patagonien und Chile und erinnert daran, dass menschliches Leiden und Ungerechtigkeit nicht auf einzelne politische oder gesellschaftliche Systeme beschränkt sind. Er benutze das Wasser als natürliches Element, um die konkrete Geschichte der Opfer des Landes in den Raum der gesamten Menschheit zu stellen, begründet die sechsköpfige Jury ihren Entscheid.
In «Ned Rifle» macht sich die Hauptfigur mit ebendiesem Namen auf die Suche nach Erlösung. Der 18-jährige Ned verlässt das Haus seiner frommen Adoptiveltern, um seinen Vater zu töten. Er will damit seine Mutter rächen, die lebenslänglich wegen Hochverrats einsitzt. Der Film lässt sich als «mitreissende Studie über die menschliche Natur und religiöse Motive verstehen», heisst es in der Jurybegründung. Ferner verbinde eine grossartige Bildsprache und ein raffiniertes Drehbuch Drama und Komödie zu einer klugen philosophischen Reflexion über Gut und Böse
Rabah Ameur-Zaïmeche greift in «Histoire de Judas» («History of Judas») das Leben Jesu aus der Perspektive von Judas auf, der traditionell als Verräter von Jesus betrachtet wird. «In diesem Film wird er ähnlich wie Jesus gezeichnet, als Opfer von Macht und Unterdrückung durch die römischen Besatzer. Dieses Passionsspiel fordert die Zuschauer dazu auf, Vorurteile zu überwinden und so das Leben und die Botschaft Jesu zu verstehen. Mit Anspielungen auf heutige weltpolitische Ereignisse plädiert der Film für die Notwendigkeit, den Geschichten marginalisierter Menschen, Gruppen und Völker Gehör zu verschaffen.»
Rabah Ameur-Zaïmeche und Hal Hartley, deren Filme in der Sektionen Panorama und Forum programmiert waren, erhielten je ein Preisgeld von 2500 Euro. Dieses wird gestiftet von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz.
In der sechsköpfigen Ökumenischen Jury waren vertreten: als Jurypräsident Lukas Jirsa, Prag (Tschechische Republik), Gustavo Andujar, Havanna (Kuba), Gregg Brekke, Portland (USA), Piet Halma, Baarn (Niederlande), Inge Kirsner, Ludwigsburg (Deutschland) und Joachim Opahle, Berlin.
