Octubre

«Was kannst du mir als Garantie geben?» Egal wie wortreich sein Gegenüber die eigene Not ausmalt, der Pfandleiher Clemente macht nicht viele Worte. Sein Privatleben beschränkt sich auf den regelmässigen Besuch von Prostituierten, bei denen er ebenfalls kein überflüssiges Wort verliert und alles schön mit Geld regelt. Stoisch könnte man seine Miene nennen, doch der farblose Mann hat sich schlicht in seinem uninteressanten Leben eingerichtet. Als er ein Baby in seiner Wohnung vorfindet, stellt er seine fromme Nachbarin Sofía als Nanny ein, die prompt bei ihm einzieht.

Mit Sofía zieht auch ein Andachtsbild des Señor de los Milagros ein. Es ist eine Kreuzesdarstellung mit einem dunkelhäutigen Christus, die in Lima verehrt wird, besonders bei einer grossen Prozession im Oktober. Sofías Leben ist auch nicht besonders interessant, doch sie betet inbrünstig, dass sich etwas ändern wird. Für sie ist Geld nur Geld, aber Wunder sind möglich. «Octubre» zeigt, was sich so alles in einem Monat, noch dazu einem ´heiligen´, verändern kann. Er erzählt den unspektakulären Alltag einfacher Menschen in einem heruntergekommenen Viertel Limas. Die oft symmetrisch gestalteten Bilder strahlen eine eigene Schönheit aus, die Stimmung ist lakonisch, manche Situationen komisch, andere tragisch. Da verwundert es kaum, wenn die Regiebrüder Daniel und Diego Vega unter anderem auf Aki Kaurismäki als eines ihrer Vorbilder verweisen.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Octubre – Oktober», Peru 2010, Regie: Daniel und Diego Vega, Besetzung: Bruno Odar, Gabriela Velásquez, Carlos Gasols, Maria Carbajal; Verleih: Look Now!, http://www.looknow.ch

Kinostart: 14. Oktober 2010