Nothing Personal

Anne hat alle Bindungen hinter sich gelassen und reist mit dem Rucksack durch Irland. Zu Fuss erkundet sie die Landschaften, bis sie an der Küste ein einsames Haus entdeckt. Dort lebt Martin eine zurückgezogene Existenz. Die erste Begegnung der beiden ist von Misstrauen und Unverständnis geprägt. Martin braucht Hilfe auf dem Landgut. Deshalb bietet er Nahrung und Unterkunft an. Doch Anne stellt eine Bedingung: sie gibt nichts Persönliches von sich preis; nicht einmal ihren Namen. Aus diesem radikalen Anfang entwickelt sich eine ungewöhnliche Beziehung, in der Nähe und Distanz behutsam ausgelotet werden.

Urszula Antoniak gelingt es, die beiden Schauspieler Lotte Verbeek und Stephen Rea in ihrem Ausdruck so präzis zu führen, dass aus der einfachen Ausgangslage ein vielschichtiges Drama entsteht. Wenige Einstellungen genügen, um die Verletzlichkeit der Figuren zu zeigen. Die Geschichte über Einsamkeit und Beziehung ist in wunderschöne Bilder unberührter Natur eingelassen. Die Landschaften werden transparent gemacht für die seelischen Zustände. Nicht zuletzt enthält der Film eine starke Hoffnungsbotschaft für Menschen, die versuchen eine neue Beziehung aufzubauen. Im Kern geht es hier um den Respekt für die Andersheit des Anderen. Sogar in der vollständigen Verweigerung einer persönlichen Beziehung kann die Andere oder der Andere geliebt werden: eine radikale, aber filmisch berührende Erfahrung.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

„Nothing Personal“, Irland/Niederlande 2009, Regie: Urszula Antoniak, Besetzung: Stephen Rea, Lotte Verbeek; Verleih: Filmcooperative Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch

Kinostart: 8. April 2010

„Nothing Personal“ ist Film des Monats April. Der Film des Monats ist als pdf abrufbar.
medientipp.ch/pdf/filmtipp_201004.pdf
Das Film-des-Monats-Archiv:
medientipp.ch/index.php?na=3,2

Lobende Erwähnung der ökumenischen Jury in Locarno 2009
Begründung der Jury: „Der Film erzählt zart und in angemessenem Rhythmus eine berührende Geschichte von Einsamkeit und Beziehung durch wunderschöne Bilder unberührter Natur, wobei durch die Musik die Gefühle und Stimmungen der Personen ausgedrückt werden. Dadurch vermittelt die Regisseurin eine starke Hoffnungsbotschaft für Menschen, die in ihrem Leben verletzt wurden und neue Beziehungen aufbauen müssen, mit Respekt für die Freiheit und Unabhängigkeit der anderen Person.“
https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,4&meid=116556