Nachbeben
Grillabend an der Goldküste: Investmentbanker HP hat seinen Chef eingeladen, um die Geschäfte anzukurbeln. Das Wetter ist gut, die Ehefrauen sind befreundet. Aber unter der edlen Oberfläche brodelt es. Das Aupair verhält sich seltsam, und der ungeladene Praktikant verunsichert die Gastgeber. Man tut überdreht fröhlich, doch in Nebengesprächen spielen sich wahre Dramen ab. Allmählich merkt auch HPs Frau, dass sein Glücksstern längst am Sinken ist.
Das Kammerspiel für sechs Personen seziert das Scheitern von vermeintlichen Gewinnern. Wer sonst andere abzockt, wird plötzlich selbst abgezockt. Zwar ist es wenig originell, das Leben junger Reicher als verlogen darzustellen. Doch besticht der erste Kinofilm von Stina Werenfels durch seine präzise Regie und das hochkarätige Ensemble. Mit Michael Neuenschwander, Susanne-Marie Wrage und Bettina Stucky sind hier Theaterleute am Werk, die den Abgesang aufs gekaufte Glück authentisch geben. Künstlich tönen die Dialoge nur dann, wenn sie gekünstelt sein sollen. So macht der Film jedes Beben, das das Beziehungsgeflecht der Beteiligten erschüttert, seismographisch spürbar. Ein Schweizer Film, der im Kleinen Grosses ausleuchtet.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
„Nachbeben“, Schweiz 2006, Regie: Stina Werenfels, Darsteller: Susanne-Marie Wrage, Michael Neuenschwander, Bettina Stucky, Georg Scharegg; Verleih: LOOK NOW!, Internet: http://www.looknow.ch, Filmwebsite: http://www.nachbeben.ch
Kinostart: 2. März 2006
