Nachbarn

Ein Dorf an der türkisch-syrischen Grenze. Zu Beginn der 1980er-Jahre ist es noch weitgehend verschont von den sich radikalisierenden Ideologien der Assad-Diktatur. Hier leben Menschen verschiedenster Herkunft und religiöser Überzeugungen harmonisch zusammen. Für den sechsjährigen kurdischen Jungen Sero ist das erste Schuljahr jedoch eine schwierige Zeit, die ihn für immer verändern wird. Denn die nationalistische Gesinnung seines Lehrers, die mit den friedfertigen Ansichten der Stadtbewohner kollidiert, erschüttert Seros Gewissheiten.

Der kurdisch-schweizerische Regisseur Mano Khalil richtet den Blick einmal mehr auf seine Heimat Syrien und den Konflikt, der das Land erschöpft. Diesmal schaut er durch die Augen eines Jungen und erzählt die Geschichte seiner Kindheit. In Qamishli, wo die Geschichte spielt und gedreht wurde, ist Mano Khalil aufgewachsen.

Anhand vieler kleiner Alltagssituationen illustriert er eindrücklich, wie der Argwohn langsam wächst und die Beziehungen der Menschen untereinander zerstört. «Vielleicht stimmt es ja doch, dass die Juden mit Kinderblut backen», denkt Sero und rührt den Kuchen nicht mehr an. Diese unsichtbare Gefahr, die in den Worten lauert und sich in die Gedanken frisst, ist die Wurzel des späteren Hasses. Trotzdem schwingt in «Nachbarn» auch immer die Leichtigkeit des Lebens mit und die Hoffnung, dass sich die Menschen eines Tages wieder mit Respekt und Liebe begegnen.

Sarah Stutte, Filmjournalistin

«Nachbarn», Schweiz 2021, Regie: Mano Khalil, Besetzung: Serhed Khalil, Jalal Altawil, Jay Abdo, Verleih: Frenetic, http://www.frenetic.ch

Kinostart: 14. Oktober 2021