Mur

«Sicherheitszaun» oder «Schutzwall», mit welcher Bezeichnung auch immer es beschönigt werden soll, es ist und bleibt ein monströses Projekt: Die Mauer, an der Israel seit 2002 baut. Dieses Bauwerk und seine zahlreichen Baustellen stehen im Zentrum des Dokumentarfilms «Mur». Doch nur visuell bildet der Bau das Zentrum, akustisch erhalten die Stimmen von Menschen auf beiden Seiten Raum.

Die französisch-israelische Filmerin Simone Bitton sucht das Gespräch mit den Menschen. Sie befragt sie zu ihrem Leben entlang der Mauer. Da sind palästinensische Bauarbeiter, die an dem Schutzwall gegen ihr Volk mitarbeiten. Sie wollen nicht gezeigt werden, damit sie nicht von den eigenen Leuten gelyncht werden. Da ist ein Sprecher der israelischen Betonfabrik, die den lukrativen Grossauftrag ausführt. Stolz erklärt er den Aufbau der Wachtürme, ohne zu merken, wie sehr sie an den eisernen Vorhang oder Gefängnistürme erinnern. Und dann sind da auch die ganz normalen Anwohner entlang der «Sicherheitszone». Sei es der israelische Familienvater, der sich keineswegs geschützt sieht. Sei es der arabische Bauer, der durch das Sperrgebiet von gut der Hälfte seiner Olivenhaine abgeschnitten ist. Die Bilder des trostlosen Baus und die Stimmen des Alltags ergänzen sich gegenseitig. Auf erklärende Kommentare wird verzichtet, wohl auch weil es nichts zu erklären gibt an dieser Groteske.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Mur», Frankreich/Israel 2005, Regie: Simone Bitton, Dokumentarfilm; Verleih: Xenix Filmdistribution, Internet: http://www.xenixfilm.ch, Filmwebsite: http://www.murlefilm.net

Kinostart: 3. März