Messies – ein schönes Chaos

Ordnung ist das halbe Leben, Unordnung gehört aber auch dazu. Ulrich Grossenbacher zeigt das Leben von vier Protagonisten, für die das Umgekehrte gilt. Sie leben hauptsächlich im Chaos und Ordnung ist für sie die Ausnahme. Sie leiden am Messie-Syndrom und häufen übermässig Dinge an. Diese Figuren schwanken zwischen Genialität und Überforderung, zwischen Sammeltrieb und Selbstzerstörung. Ihr Verhalten ist nicht nur für sie selbst tragisch. Die Lebenspartner und Nachbarn sind mit diesem Phänomen ebenso überfordert. Sehr einleuchtend zeigt der Dokumentarfilm, dass diese Menschen die Berge an Plunder und Abfall einfach nicht mehr loslassen, weil sie Teil ihrer Lebensgeschichte geworden sind. So wird jede Entsorgungsaktion zu einem menschlichen Drama. Statt aufräumen und wegwerfen heisst die Devise umschichten und verstecken.

Mit Humor und menschlicher Wärme inszeniert der Regisseur die vier Schicksale, die gewöhnlich in die Vereinsamung führen. Die Dramaturgie entwickelt sich von der subjektiven Wahrnehmung der Betroffenen hin zum Konflikt mit den Angehörigen, den Nachbarn und den Gemeindebehörden. Doch im Chaos liegt nicht nur das Tragische, sondern auch das Glück verborgen. Mit einem liebenden Blick auf die Messies schafft es der Film, uns diese Menschen näherzubringen und ihr Leiden an der geordneten Welt verständlich zu machen: ein humanistischer Gestus des Erzählens, schnörkellos und überzeugend.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Messies – ein schönes Chaos», Schweiz 2011, Regie: Ulrich Grossenbacher, Dokumentarfilm; Verleih: Fair & Ugly, Filmproduktion GmbH,  Filmwebsite: http://www.fairandugly.ch/messies

Kinostart: 1. März 2012