Me and Earl and the Dying Girl
Gibt es so etwas wie Liebe auf den zweiten Blick? Für den Teenager Greg geschieht der entscheidende Schritt eher auf den dritten Blick. Er ist im letzten Jahr des Gymnasiums und hält sich alle Leute vom Leib. Das «Ich» wird in seinem kleinen Universum grossgeschrieben. Einzige Ausnahme ist dabei Earl, der zusammen mit Greg Parodien von Filmklassikern dreht. Greg bezeichnet seinen Kumpel aber lieber als «Mitarbeiter», damit keine Missverständnisse aufkommen. Umso ungelegener kommt Greg die Aufforderung seiner Mutter, mehr Zeit mit Rachel zu verbringen, einer Klassenkollegin, die an Leukämie leidet. «Das sterbende Mädchen wird nicht sterben», so versichert Gregs unzuverlässige Erzählerstimme aus dem Off.
Mit den Augen des Teenagers und ironischer Distanz erzählt Regisseur Alfonso Gomez-Rejon von der herzerweichenden Beziehung zwischen Greg und Rachel, die sich zwar mögen, aber dies nicht zeigen dürfen. So entsteht ein frischer und authentischer Blick auf das Genre der Love-Story mit krebskranken Jugendlichen. Wer dieses Genre fürchtet wie der Teufel das Weihwasser, wird in diesem Film bekehrt. Umwerfend sind das Spiel der Teenager, die überzeugende Dramaturgie, die Parodien von Filmen und die Hoffnungszeichen, die den Ausgang des Filmes jedoch nicht vertuschen, sondern ehrlich ankündigen. Menschenfreundlich und ehrlich erzählt: ein Muss für alle Erziehenden von pubertierenden Halberwachsenen.
Charles Martig, Filmjournalist Katholisches Medienzentrum
charles.martig@kath.ch
«Me and Earl and the Dying Girl», USA 2015, Regie: Alfonso Gomez-Rejon, Besetzung: Thomas Mann, Jon Bernthal, Olivia Cooke; Verleih: 20th Century Fox / Warner Bros Inc., http://www.fox-warner.ch, Filmwebsite: http://meandearlmovie.com/
Kinostart: 3. September 2015
