Manipulation

Die Wahrheit glaube ihm sowieso niemand. Werbefachmann Harry Wind reagiert gelassen, ja regelrecht amüsiert, als er vom Verhörspezialisten Urs Rappold in die Mangel genommen wird. Ausgerechnet Wind, der Armeelobbyist und Liebling der Schweizer Generäle, soll den Russen geheime Militärakten weitergegeben haben? Es ist Kalter Krieg und die Schweiz wähnt sich vom Osten bedroht. Aufgerüstet bis an die Zähne wird auch noch an einem Atomprogramm gearbeitet. Wer mit Kommunisten gesehen wird, landet schnell in Isolationshaft und bei Rappold, der nach der Wahrheit forscht.

«Das Verhör des Harry Wind» – wie die Romanvorlage von Walter Matthias Diggelmann heisst – wird das letzte von Rappold sein, er steht kurz vor der Pensionierung. Dass es ihn an seiner Arbeit fast verzweifeln lassen wird, weiss er anfangs noch nicht. Gespielt wird Rappold von Klaus Maria Brandauer, der zurückhaltend agiert und gerade deshalb überragendend präsent ist. Sebastian Koch gibt charmant sein windiges Gegenüber. Daneben wirken die anderen Figuren eher blass, was der Spannung keinen Abbruch tut. Was kann Wind dem ihn belastenden Material entgegensetzen? Wie steht es um die Wahrheit von Fotografien und Filmaufnahmen? Der im Mief der 50er-Jahre angesiedelte Krimi stellt aktuelle Fragen zur Manipulierbarkeit der öffentlichen, wie auch der persönlichen Meinung durch vermeintlich objektive Fakten.

Christine Stark, Filmbeauftragte der Reformierten Medien
christine.stark@ref.ch

«Manipulation», Schweiz/Deutschland 2011, Regie: Pascal Verdosci, Besetzung: Klaus Maria Brandauer, Sebastian Koch u.a.; Verleih: Ascot Elite Entertainment Group, Internet: http://www.ascot-elite.ch, Filmwebsite: http://www.manipulationmovie.com

Kinostart: 3. Februar 2011


Freitag, 4. Februar, 11:00 Uhr, DRS 2
Reflexe. «Manipulation» – Gespräch mit Klaus Maria Brandauer