Manderlay

Nach «Dogville» begibt sich Lars von Trier im zweiten Teil der USA-Trilogie in den Süden des Landes. Im Jahr 1933 trifft Grace mit ihrem Gangstergeleit in Manderlay auf einer Baumwollplantage ein. Was sie hier vorfindet, treibt ihr die Tränen in die Augen. Mit moralischem Rigorismus erklärt sie das Ende der Sklaverei und entlässt die Afroamerikaner in die Freiheit. Doch die neue Situation ist für alle Beteiligten ungewohnt und gefährlich. Die «Befreiung» führt in einen Strudel von Abhängigkeit und Gewalt, dem die Hauptfigur nicht mehr gewachsen ist. Inspiriert ist die Handlung von Pauline Réages «Histoires d’O», dem der französischen Schriftsteller Jean Paulhan ein Vorwort unter dem Titel «Le bonheur dans l’esclavage» voranstellte.

Lars von Trier setzt sein ästhetisches Verfahren der Irritation fort. Auf minimalen Sets inszeniert er die Szene wie auf einer Theaterbühne. Die Hauptrollen sind neu besetzt, was auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig ist. Bryce Dallas Howard erreicht in ihrer Interpretation der Grace nicht die Intensität von Nicole Kidman in «Dogville», womit das Experiment einen Teil seiner Wirkung verliert. Weiterhin steht jedoch die Frage nach der moralischen Rechtfertigung – insbesondere der Sklaverei – im Mittelpunkt. Kaum ein anderer Regisseur schafft es zur Zeit, die Wunde so schmerzhaft zu öffnen und die sozialen Gegensätze in den USA derart provokativ zu zeigen.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Manderlay», Dänemark 2005, Regie: Lars von Trier, Besetzung: Bryce Dallas Howard, Isaach de Bankolé, Willem Defoe, Lauren Bacall, Verleih: Monopol Pathé, Internet: http://www.pathefilms.ch, Filmwebsite: http://www.manderlaythefilm.com

Fernsehhinweis:
Montag, 7. November, 20.40 Uhr, ARTE:
„Dogville“ Spielfilm (Dänemark 2003), Regie: Lars von Trier