Lovely Louise

André ist über 50 und wohnt noch bei seiner Mutter Louise. Das gemeinsame Leben ist geprägt von schrulligen Ritualen und erdrückender Zweisamkeit. Treu ergeben richtet André seinen Alltag nach den Bedürfnissen seiner manipulativen Mutter aus. Sein einziger Lichtblick ist die selbstbewusste Wurstbudenbesitzerin Steffi. Die ist von seinem Muttersöhnchen-Dasein allerdings wenig angetan. Als eines Tages der Amerikaner Bill auftaucht und behauptet, Louise sei auch seine Mutter, gerät die traute Zweisamkeit von Mutter und Sohn gründlich durcheinander – und André erwacht aus seiner Lethargie.

Eine zerrüttete Familie, Einsamkeit und erdrückende Nähe, die Suche nach Zugehörigkeit und die Sehnsucht nach Ausbruch – die Sujets des Films und die Beziehungskonstellationen der Protagonisten sind eigentlich gar nicht zum Lachen. Mit feinem Humor gelingt es Bettina Oberli jedoch, die eigentlich tragischen Themen komisch zu inszenieren. Die komödiantischen Momente verdanken sich auch den Hauptdarstellern, die ihre eigenwilligen Charaktere liebevoll mit Leben füllen. Die zunächst stoische, melancholische Stimmung und der sich schliesslich abzeichnende Aufbruch werden angenehm unterstrichen durch die Musik von Adrian Weyermann. Der sympathische Film findet die richtigen Bilder, Töne und Worte, um ohne Kitsch eine optimistische Botschaft zu transportieren: Es ist nie zu spät, mit dem Leben zu beginnen.

Laura Lots, Praktikantin beim Medientipp
prakt@medientipp.ch

«Lovely Louise», Schweiz 2012, Regie: Bettina Oberli, Besetzung: Stefan Kurt, Annemarie Düringer, Stanley Townsend; Verleih: Frenetic Films AG, http://www.frenetic.ch, Filmwebsite: http://www.lovelylouise.ch

Kinostart: 5. September 2013 – Gratis zum Streamen auf http://www.playsuisse.ch