Loin des hommes
In einem gottverlassenen Tal im Altasgebirge unterrichtet Daru die Kinder der Umgebung. Mit dem soeben entbrannten algerischen Unabhängigkeitskrieg will der pragmatische Mann nichts zu tun haben. Bis ein Gendarm ihm einen gefährlichen Job anträgt: Der Bauer Mohamed hat seinen Cousin getötet – Daru soll den merkwürdig sanften, merkwürdig passiven Mörder zur Verhandlung in die Stadt überführen. Gejagt von Mohameds Clan, bedroht von Kolonialtruppen und den Kämpfern der Nationalen Befreiungsfront, machen die beiden Männer sich auf den Weg durch die Berge, widerwillig der eine, still verzweifelt der andere.
Ein historischer Stoff, eine literarische Vorlage von Albert Camus, Musik vom Ex-Punk Nick Cave und Bilder wie aus einem Western: aus diesen Bestandteilen destilliert der französische Regisseur David Oelhoffen einen stilistisch strengen, eleganten und elegischen Film, der aktuelle Fragen aufwirft. Der Held, Daru, bewegt sich als spanischstämmiger Siedler in Algerien zwischen den Kulturen. Aber im Dialog mit Mohamed wird klar, dass er über die Traditionen wenig weiss. Umgekehrt enthüllt sich dem Gefangenen nur allmählich, was Daru umtreibt. Die Reise durch den unwegsamen Atlas wird für die Männer und den Zuschauer zu einer komplexen Navigation zwischen ethnischen, religiösen und politischen Konfliktlinien, der repressiven kolonialen Vergangenheit und einer vielleicht besseren, aufgeklärteren Zukunft.
Sabine Horst, Jury der evangelischen Filmarbeit Deutschland
«Loin des hommes», Frankreich 2014, Regie: David Oelhoffen, Besetzung: Viggo Mortensen, Reda Kateb, Jérémie Vigot; Verleih: Pathé Films, http://www.pathefilms.ch
Kinostart: 9. Juli
Am 71. Filmfestival in Venedig haben die kirchlichen Jurys von Interfilm und Signis «Loin des hommes» ausgezeichnet: https://www.medientipp.ch/me32557
