Lluvia
Irgendwo im verregneten Buenos Aires steht eine Frau im Stau, als ein Wildfremder zu ihr in den Wagen steigt, verwirrt und blutend. Eine Zufallsbekanntschaft als Auftakt zu einem Film, der zwei verlorene Seelen inmitten einer pulsierenden Grossstadt zusammenbringt und sich gegenseitig ein wenig begleiten lässt. Alma, die – inklusive Bonsaibaum – in ihrem Auto lebt, und Roberto, der wegen seines ihm unbekannten Vaters nach Argentinien gekommen ist. Der Film ist dicht, aber ohne Manierismen gestaltet. Der Regen gibt ihm den Rhythmus vor, mal tröpfelt die Geschichte vor sich hin, mal überstürzen sich die Ereignisse. Bildsprache und pointierte Dialoge ergänzen sich gegenseitig.
Ähnlich wie in Ursula Meiers Film „Home“, dem derzeit aufregendsten Schweizer Film, wird hier das Genre des Roadmovies umgestülpt. Ist es in „Home“ die Belebung einer Autobahnstrecke, die die Bewohner einer vorgängigen Idylle in ihrer ganzen Existenz bedroht, erscheint hier das Auto selbst als vermeintlich trautes Heim. Doch kurvt die Lenkerin ziellos umher, wohl wissend, dass es hinter dem Horizont anders aussehen mag, ihre Geschichte und ihre Probleme doch die gleichen sein werden. Das Auto eignet sich eben doch nicht als Fluchtwagen vor dem Leben. Es mag Zufall sein, aber wieder ist es eine Regisseurin, die das Roadmovie gewitzt neu erfindet und so ihrer leisen Geschichte einen besonderen cineastischen Reiz verleiht.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
„Lluvia“, Argentinien 2008, Regie: Paula Hernández, Besetzung: Valeria Bertuccelli, Ernesto Alterio; Verleih: Trigonfilm, Internet: http://www.trigon-film.org
Kinostart: 26. März 2009
