Like Father, Like Son
Der ehrgeizige Architekt Ryota will seinen sanften Sohn Keita früh auf das harte Arbeitsleben vorbereiten: Wer zu nett ist, so glaubt er, sei heutzutage ein Verlierer. Als Keita sechs Jahre alt ist, erfahren seine Eltern, dass ihr Kind bei der Geburt mit einem anderen Jungen vertauscht wurde. Mit seiner spontanen Reaktion «Das erklärt also alles» bringt Ryota die Familienkrise erst recht ins Rollen. Und er fühlt sich bestätigt, als er seinen leiblichen, selbstbewussten Sohn kennenlernt, der in der Familie eines armen Elektrowarenhändlers aufgewachsen ist, einem quirligen Tüftler, der lieber mit seinen drei Kindern herumtollt als sich um eine Karriere zu kümmern. Soll man die Kinder jetzt noch tauschen? Die Familien treffen sich wiederholt, und zunehmend hält Ryota die Blutsverwandtschaft für wichtiger als die Jahre, die er mit Keita verbracht hat.
Einmal mehr beschäftigt sich der japanische Regisseur Hirokazu Koreeda mit dem Thema Familie und geht dabei gewohnt behutsam mit seinen Figuren um. Was zwischen und in ihnen passiert, zeigt er oft in Nahaufnahmen, in unspektakulären Momenten, in scheinbar beiläufig gesprochenen Sätzen oder an Gegenständen, die in den Figuren etwas bewirken; eine selbstgebastelte Rose, ein kaputter Roboter. Obwohl der Film eine nicht alltägliche Verwechslungsgeschichte erzählt, wirft er allgemeingültige, zwischenmenschlich wichtige Fragen auf, die nachwirken.
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch
«Like Father, Like Son», Japan 2013, Regie: Hirokazu Koreeda; Besetzung: Masaharu Fukuyama, Masaharu Ono, Yoko Maki; Verleih: Trigon-Film, http://www.trigon-film.org
Kinostart: 26. Dezember
