Liebe und Zufall

Familiengeschichten sind dramatisch – gerade dann wenn sie von Müttern und ihren geheimen Liebesgeschichten erzählen. Fredi M. Murer nimmt die Spur von Elise und Paul auf, ein arriviertes Paar in seinen Siebzigern, die vieles im Leben erreicht haben. Er ist ein Architekt, sie eine leidenschaftliche Schriftstellerin, deren Talent noch nicht entdeckt wurde. Paul hat kein Gehör für ihre Manuskripte, was Elise dermassen aufregt, dass sie die Schriftstellerei aufgibt. Sie wirft alles weg, bis auf ein kleines Buch mit dem Titel «Eigentlich habe ich nichts erlebt», das von einer Jugendliebe erzählt. Durch Zufall gerät es in die Hand eines Theatermachers, Enrique, der einen authentischen Stoff und eine begnadete Schauspielerin, Angela, für seine nächste Produktion sucht. Und so verweben sich auf wundersame Weise die vier verschiedenen Schicksale, die das Leben getrennt hat, die aber zusammengehören.

Murers bezaubernder Film hat autobiografische Züge, die auf seine Mutter verweisen. Aus der eigenen Familiengeschichte und der fiktionalen Kraft des Regisseurs wächst ein schöner Film mit überraschenden Wendungen, hervorragenden Schauspielerinnen und Schauspielern sowie einem exquisiten Blick der Kamera, die Pio Corradi als Meister des genauen Schauens verrät. Es ist ein echter «Murer-Film» geworden, auf den wir nach «Vitus» acht lange Jahre gewartet haben. Es könnte ein filmisches Vermächtnis sein.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Liebe und Zufall», Schweiz 2014, Regie: Fredi M. Murer, Besetzung: Sibylle Brunner, Werner Rehm, Ueli Bichsel, Silvana Gargiulo; Verleih: Vega Film, http://vegafilm.com/ Filmwebsite: http://www.liebeundzufall.ch

Kinostart: 30. Oktober