Les Olympiades
Was macht uns menschlicher, verletzlicher und sensibler? Es ist die Liebe. Im neusten Film von Jacques Audiard dreht sich alles um sie. Eine faszinierende Charakterstudie in Schwarz-Weiss über vier Menschen im 13. Stadtteil Les Olympiades von Paris.
Émilie arbeitet in einem Call Center, träumt von einer Beziehung und lässt sich auf schnellen Sex ein. Camille beendet seine Karriere als Lehrer, um zu promovieren. Nora ist nach Paris gezogen, um ihr Leben als Immobilienmaklerin hinter sich zu lassen und wieder zu studieren. Camille zieht bei Émilie als Mitbewohner ein und beginnt mit ihr eine unbedeutende Affäre, derweil Nora ihr Studium abbricht, weil sie wegen eines dummen Zufalls mit einem Pornostar verwechselt und dadurch zum Gespött der Universität wurde. Von nun an beginnen sich die drei Lebensgeschichten ineinander zu verweben. Denn Camille verliebt sich in Nora, die ihrerseits Kontakt mit eben jenem Pornostar aufnimmt. Gleichzeitig hegt Émilie starke Gefühle für Camille.
Das Drehbuch basiert auf drei Kurzgeschichten des Comiczeichners Adrian Tomine. Das spürt man im Film. Die kontrastreichen Schwarz-Weiss-Bilder oder der geteilte Bildausschnitt, wenn die Figuren telefonieren, erinnern stark an eine grafische Erzählweise.
Doch das tut dem Film keinen Abbruch, im Gegenteil. Audiard gelingt es, das Leben dieser vier Menschen einzufangen, die auf der Suche nach der grossen Liebe sind. Dabei wirkt der Film niemals klischiert und kitschig.
Silvan Maximilian Hohl, Filmemacher und Multimediaproduzent
«Les Olympiades», Frankreich 2021; Regie: Jacques Audiard; Darsteller*Innen: Lucie Zhang, Makita Samba, Noémie Merlant; Verleih: Filmcoopi Zürich,
Filmwebsite: https://www.filmcoopi.ch/movie/les-olympiades
Ab 28. April 2022 im Kino
