Les Invasions Barbares
Der einstige Don Juan und Sozialist Rémy erkrankt schwer. Seine Exfrau und der gemeinsame Sohn versammeln einen illustren Kreis von Weggefährten und Bettgefährtinnen, so dass die letzten Tage des Todkranken zu einem Fest von Erinnerungen und Abschied werden. Dies wird samt dem schmerzlindernden Heroin durch das Geld des Sohnes finanziert, der desinteressiert an den politischen Idealen seiner Eltern zum Grosskapitalisten avancierte. Lebensentwürfe prallen aufeinander und gehen für kurze Zeit eine seltsame Symbiose ein. Als linker Historiker stellt Rémy das private Geschehen immer wieder in einen grösseren Kontext: Kultur und Sozialstaat sind im Niedergang begriffen, Barbaren bemächtigen sich der Welt.
Der Film entwirft ein amüsantes wie subtiles Sittengemälde des neuen Jahrtausends und spielt mit der Frage, welche Barbaren wohin einzudringen drohen. Sind es die Attentäter vom 11. September oder die bestechlichen Gewerkschaftler des maroden Krankenhauses? Ist es die Verlobte des Sohnes, wenn sie den Bedeutungsverlust des Christentums nur noch als materielle Wertlosigkeit von Heiligenfiguren feststellt, während Rémy geistreich mit der frommen Krankenschwester über menschliche Grausamkeit und göttliche Vergebung streitet?
Ein Film mit schnellen Dialogen, der Fäden seines Vorgängers „Le Déclin de L´empire Américain“ (1986) gekonnt aufnimmt und zu Ende spinnt.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Les Invasions Barbares», Kanada/Frankreich 2003, Regie: Denys Arcand, Besetzung: Rémy Girard, Stéphane Rousseau, Marie-Josée Croze, Verleih: Filmcooperative Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch
