Le Passé
Ingmar Bergman beklagte sich einst über die jüngere Generation von Regisseuren, die es nicht mehr schaffen, in die Tiefe zu gehen und «die Wunde zu öffnen». Mit Asghar Farhadi ist nun ein iranischer Filmschaffender am Werk, der tief in die Abgründe der menschlichen Existenz blickt. Nach dem aufrüttelnden Scheidungsdrama «A Seperation» schenkt er dem Arthouse-Kino einen neuen Höhepunkt, der in Cannes mit dem Ökumenischen Preis ausgezeichnet wurde.
In «Le Passé» führt er ein Paar zusammen, das seit vier Jahren getrennt lebt. Ahmad trifft aus Teheran kommend in Paris ein und wird von Marie am Flughafen abgeholt. Es geht auf den ersten Blick nur noch um die Formalitäten der Scheidung. Doch die Schatten der Vergangenheit verstricken die beiden mit der Beziehung, die Marie mit Samir eingegangen ist. Dessen Frau liegt im Koma und schwebt als unheilvoller Schatten über dem neuen Paar. Geschickt verwebt Farhadi das Schicksal der Kinder in diese Konstellation. Die pubertierende Lucie wehrt sich vehement gegen den neuen Mann im Haus. Als Ahmad versucht, in diesem Konflikt zwischen Marie und Lucie zu vermitteln, gerät er in die Fänge einer dunklen Geschichte.
«Le Passé» ist ein Schauspielerfilm par éxellence, in dem die Abgründe und Emotionen auf den Gesichtern gespiegelt werden, in dem die Beziehungen komplex und differenziert erscheinen. Zuletzt ist es das Streben nach Wahrheit, das die Wunden öffnet und vielleicht auch heilen kann. Farhadi bezeugt eine zutiefst humanistische Erzählhaltung.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Le passé», Frankreich 2013, Regie: Asghar Farhadi, Besetzung: Bérénice Bejo, Ali Mosaffa, Tahar Rahim; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch
Kinostart: 19. Dezember 2013
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