Le couperet

«Homo homini lupus»: Thomas Hobbes’ Beschreibung des natürlichen Zustands des Menschen könnte als Leitspruch von Costa-Gavras Film dienen. Höchst interessant weitet er seine Perspektive auf die Erkenntnis aus: In der Leistungsgesellschaft wird jeder jedem zum tödlichen Konkurrenten. Der ehemals leitende Angestellte einer Papierfabrik, Bruno Davert, wird Opfer einer Umstrukturierung. Drei Jahre Arbeitslosigkeit und endlose Bewerbungsverfahren zermürben ihn, bis er zur Tat schreitet. Mit einer Pistole macht er sich auf den Weg, seine Konkurrenten eigenhändig auszuschalten. Die Nähe des Täters zu seinen Opfern offenbart einen verzweifelten Hass und gleichzeitig ein irritierende Seelenverwandtschaft. Nicht nur beruflich sondern auch menschlich sind diese Männer und Frauen ebenbürtig. Doch der Serienmörder führt sein Werk trotz Widerständen und Zweifeln fort. Seine Frau weiss nichts von seinem Doppelleben und die Polizei führt er an der Nase herum.

Das satirische Sozialdrama gewinnt dem Stoff einen eigenständig amoralischen Zugang ab. Das Changieren zwischen bitterem Sozialthriller und ironischer Komödie kommt intelligent daher und erlaubt eine Einsicht in den Wert der Arbeit in der globalisierten Wirtschaft. Aber Vorsicht ist geboten. Das Lachen kann im Hals stecken bleiben, wenn einem der Serienmörder zu sehr ans Herz wächst.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Le couperet», Frankreich 2005, Regie: Costa-Gavras, Besetzung: José Garcia, Karin Viard, Ulrich Tukur, Olivier Gourmet; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch

Kinostart: 1. Juni