Le cercle

Jafar Panahi präsentiert den politisch offensten Film, der bisher aus dem Iran zu uns gedrungen ist. Seine Geschichten im Stil der «Nouvelle Vague» zeigen eindringlich den Alltag in Teheran aus der Perspektive von sieben Frauen. Den Reigen eröffnen drei junge Frauen auf Bewährung, die sich an jeder Strassenecke zweimal umschauen, um nicht von der Polizei aufgegriffen zu werden. Das Rauchen einer Zigarette in der Öffentlichkeit ist ein Ding der Unmöglichkeit. Als allein reisende Frau kommt Arezou nur mit List zu einem Busticket. Pari ist aus dem Gefängnis geflohen, damit sie ihr Kind abtreiben kann. Aber ohne Einwilligung des Mannes ist dieser ärztliche Eingriff nicht durchsetzbar. Die allein stehende Mutter Nayereh hat schon mehrmals versucht, ihr Kind aufzugeben. – Der engagierte Blick auf die Alltagsrealität macht deutlich, dass sich diese Frauen in einem unendlichen Kreis der Abhängigkeit bewegen. Ihr Mangel scheint in erster Linie darin zu bestehen, dass sie als Frauen in einer Gesellschaft leben, die von Männern für Männer geschaffen wurde.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Le cercle» («Dayereh»), Iran / Italien 2000, Regie: Jafar Panahi, Besetzung: Maryam Parvin Almani, Nargess Mamizadeh, Fereshteh Sadr Orafai, Monire Arab. Filmcooperative, Zürich.