Laurence Anyways
Als Laurence seiner Partnerin Fred eines Tages bekannt gibt, dass er ab nun eine Frau sein will, wirft das die quirlige Werbefilm-Regisseurin komplett aus der Bahn. An Laurences Liebe zu ihr hat sich jedoch nichts verändert. Deshalb willigt Fred ein, ihn bei dem Wandel zu unterstützen. Die Gelassenheit des Umfelds trügt, denn bald wird Laurence als Lehrer entlassen, später von einem Homophoben verprügelt. Fred stösst zunehmend an ihre Grenzen und gründet schliesslich mit einem bürgerlichen Mann eine Familie. Aber Fred und Laurence können sich nicht vergessen.
Emotionen und Dramatik werden durch die Kameraarbeit unterstrichen; mit hektischen Handkameraeinstellungen, minutenlangem Verharren in unangenehmen Situationen, langen Fahrten oder mit einer subjektiven Kamera, die verächtliche und neugierige Blicke registriert. Das Melodram des 24-jährigen Xavier Dolan ist kraftvoll und leidenschaftlich in jeder Hinsicht. Das liegt einerseits an der Intensität, mit der die beiden Hauptdarsteller ihre Rollen verkörpern; Freds verzweifelter Ausbruch in einem Café etwa bleibt unvergessen. Anderseits ist da die fast barock anmutende Ästhetik: Es wird in Lichtstimmungen und Farben – massgeblich Rot und Blau – geschwelgt, märchenhafte Szenen kippen manchmal ins grotesk Opernhaft-Surreale. Und vielleicht zieht einen der Film gerade wegen der eigenartigen Reibung von Realismus und Magie so sehr in seinen Bann.
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch
«Laurence Anyways», Kanada/Frankreich 2011, Regie: Xavier Dolan; Besetzung: Suzanne Clément, Melvin Poupard, Nathalie Baye; Verleih: Filmcoopi Zürich, http://www.filmcoopi.ch
Kinostart: 14. März 2013
