L’Apollon de Gaza

Kann eine möglicherweise antike Götterstatue einem versehrten Volk seine Würde zurückgeben? Mit welchen Bedeutungen werden materielle Artefakte besetzt und welche Wirkung üben sie auf die Selbst- und Fremdwahrnehmung von Gemeinschaften und Individuen aus? Mit diesen Fragen konfrontiert uns der Schweizer Filmemacher Nicolas Wadimoff in seinem Dokumentarfilm «L’Apollon de Gaza» – ohne jedoch Antworten zu liefern. Und das ist gut so!

Der Film geht der mysteriösen Bergung einer Apollonstatue aus dem Meer vor Gaza im Jahre 2013 und ihrem noch viel rätselhafteren Verschwinden kurz darauf nach. Für die Menschen in der kriegsversehrten Stadt Gaza würde eine öffentliche Platzierung der Statue – Apollon ist der griechische Gott des Lichts, der Harmonie und der Künste – einen symbolischen Akt der Hoffnung bedeuten. Eine ideelle Rückeroberung einer verloren geglaubten Würde. Wie alt die Statue ist, spielt für die Palästinenser scheinbar eine untergeordnete Rolle. Für sie gemahnt Apollon an die Geschichte ihres Volkes, ohne die keine Zukunft geschrieben werden kann. Inzwischen rätseln Experten über das Alter, die Herkunft und den Zustand der Statue und bieten – nicht ohne Hintergedanken – ihre Hilfe an. Doch die Statue bleibt verschollen, wer sich ihrer bemächtigt hat, kann nur erahnt werden.

«L’Apollon de Gaza» ist eine faszinierende Spurensuche, die verdeutlicht, dass Wahrheit und Bedeutung auch in einer globalisierten Welt immer von der jeweiligen Perspektive abhängen.

Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp

«The Apollon of Gaza» («L’Apollon de Gaza»), Schweiz/Kanada 2019, Regie: Nicolas Wadimoff; Verleih: Sister Distribution, Internet: http://www.sister-distribution.ch, Filmwebsite: http://sister-distribution.ch/l-apollon-de-gaza-de/

Kinostart: 05. Dezember 2019