L’Abri

Nach «La Forteresse» und «Vol Spécial» lenkt Fernand Melgar die Aufmerksamkeit auf die Obdachlosen in der Stadt Lausanne, in der ‹campen› im öffentlichen Raum verboten ist. Personen, die trotzdem auf Bänken, in Parks oder Busstationen schlafen, werden von Polizeipatrouillen geweckt und weggeschickt. Die Polizei interveniert auch, wenn Menschen in Treppenhäusern, Kellern oder Einstellhallen Schutz suchen. Inzwischen werden auch die letzten warmen Räume – unterirdische Parkhäuser und Wartesäle – nachts geschlossen. Aber wo sollen die Migranten ohne Obdach aus Spanien und Afrika, die Maghrebiner, Latinos und Roma schlafen? Besonders im Winter ist das Finden einer warmen Schlafstätte  ein grosses Problem.

«L’Abri» – übersetzt «Das Obdach» – ist nach «La Marmotte» und «Le Sleep» die dritte in Lausanne eingerichtete Notunterkunft. Die dem Zivilschutz gehörende unterirdische Anlage hat über 100 Betten in drei Schlafräumen. Gelöst ist das Problem damit nicht. Freigegeben sind pro Nacht höchstens 50 Plätze. Aufmerksam beobachtend steht Fernand Melgar während vieler Abende mit der Kamera am Eingang, wenn die Betten vergeben werden. Einen Anspruch auf Unterkunft gibt es nicht. Reklamieren und Drängeln bringt nichts. Frauen und Kinder werden zuerst berücksichtigt. Drinnen bekommen sie eine warme Mahlzeit und einen Schlafplatz. Aber was ist am nächsten Morgen? Ein beklemmender Film.

*Hans Hodel, ehemaliger reformierter Filmbeauftragter
hans.hodel@outlook.com

«L‘Abri» («Das Obdach»), Schweiz 2014, Regie: Fernand Melgar, Dokumentarfilm; Verleih: Filmcoopi AG, Filmwebsite: http://www.abri-lefilm.com

Kinostart: 9. Oktober 2014

*Hans Hodel ist Jurykoordinator von Interfilm und Mitglied im reformierten Arbeitskreis Kirche und Film. In loser Folge schreiben Pfarrpersonen und kirchliche Mitarbeitende aus dem Arbeitskreis Filmtipps.