La teta asustada

Zu Beginn ist die Leinwand schwarz. Eine fragile Frauenstimme singt in Quechua, einer indigenen Sprache Perus. Sie erzählt von verstörenden Erlebnissen, von ihrer Vergewaltigung und der Tötung ihres Mannes. Das Lauschen auf die Zwischentöne, die Trauer und den Schmerz, macht diesen Film zu einem der berührendsten Momente dieses Kinojahres. Es ist eine alte Frau, die singt. Doch es ist ihre Tochter Fausta, die unter dem Trauma des Bürgerkriegs leidet. Verschlossen und kontaktscheu bewegt sie sich durchs Leben. Sie leidet an der Krankheit, die man in Peru „La teta asustada“ nennt, die erschrockene Brust. Durch die Muttermilch wird das Trauma an die nächste Generation weitergegeben. Als Faustas Mutter stirbt, löst das bei Fausta einen schmerzhaften Prozess der Selbstfindung aus.

Die peruanische Regisseurin Claudia Llosa arbeitet in ihrem Film an der Präsenz der Vergangenheit. Es ist ein Blick aus dem Jetzt auf die Jahre des Terrorismus. Mit der Metapher der „teta asustada“ findet die Regisseurin ein Bild, mit dem Gesang der Quechua eine Stimme, um die Auswirkungen des Bürgerkriegs aufleben zu lassen. Sie erzählt grandios von Dingen, die sich nicht darstellen lassen. Durch die Poesie des Films öffnet sich die Wunde erneut und heilt durch die Kraft der Bilder die erschrockene Seele der jungen Frau. Dargestellt wird Fausta von der indigenen Magaly Solier: authentisch, überzeugend und zutiefst berührend.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

„La teta asustada“, Peru 2009, Regie: Claudia Llosa, Besetzung: Magaly Solier, Marino Ballón, Susi Sánchez; Verleih: Trigon-film, http://www.trigon-film.org, Filmwebsite: http://www.trigon-film.ch/de/movies/La_Teta_Asustada

Kinostart: 1. Oktober 2009

Auszeichnung: Goldener Bär, Berlin 2009

Das Trigon Magazin Nr. 46 bietet Hintergrundinformationen zu „La teta asustada“ sowie ein Interview mit Claudia Llosa. Das Heft kann bei Trigon für 7 Franken bezogen werden:
https://http://www.trigon-film.org/de/shop/Magazin