La saison des hommes
Aïcha ist Mutter von zwei erwachsenen Töchtern und des kleinen autitistischen Aziz. Ihr Mann arbeitet in der tunesischen Hauptstadt, wie die meisten Männer von Djerba. Nur einen Monat im Jahr kehren sie zu ihren Familien zurück, ein Höhepunkt im eintönigen Leben der Frauen. Wie schon in «Les silences du palais» erzählt Tlatli die Geschichte in Rückblenden als subjektiv gefärbte Erinnerungen der weiblichen Hauptfigur, ohne auf chronologische Vollständigkeit zu achten. War es im ersten Film die abgeschlossene Welt des Palastes, so ist es in «La saison des hommes» die Enge von Hof und Haus, welche den Lebensraum der Frauen eingrenzt. Genauso wie Djerba eine vom Rest des Landes abgeschnittene Insel ist, bildet das Haus einen Mikrokosmos. Für die Frauen ist es fast unmöglich, diese abgeschlossene Welt zu verlassen. In sinnlichen Bildern porträtiert die Regisseurin Moufida Tlatli die verschiedenen Bewohnerinnen des Hauses: Frauen jeglichen Alters, die in das patriarchale System verstrickt sind und sich aus der Enge befreien möchten.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«La saison des hommes», Tunesien / Frankreich 2000, Regie: Moufida Tlatli, Besetzung: Rabiaa Ben Abdallah, Sabah Bouzouita, Ghalia Ben Ali, Hend Sabri. Filmcooperative, Zürich.
