La graine et le mulet

Seit 35 Jahren wartet Slimane Beiji im südfranzösischen Sète rostige Schiffsrümpfe. Nun bedeutet man ihm, dass er selbst zum alten Eisen gehöre. Damit kann sich der alte „Büäzer“ ebenso wenig abfinden wie seine geschiedene Frau ihre Alimente in Naturalien (sprich Fisch) akzeptieren will. Also fasst er mit Unterstützung den Plan auf einem alten Kutter ein Restaurant zu eröffnen. Dazu benötigt er jedoch die Hilfe der gesamten Familie, vor allem der Exfrau, deren köstliches Couscous die Spezialität des Hauses werden soll.

Lassen Sie sich von dieser Inhaltsangabe bloss nicht beirren; „La graine et le mulet“ ist weit mehr als ein kulinarischer Wohlfühlfilm mit Multikulti-Hintergrund und „Essen gut, alles gut“-Pointe. In seinem neuen Film wollte Regisseur Abdellatif Kechiche von einer tunesisch-französischen Familie als einer Gemeinschaft erzählen, die eher von ihren sozialen Bedingungen bestimmt ist als von ihrer Herkunft. Einige Kritiker fanden die an Grossaufnahmen reichen Dialoge, in denen die von Laien gespielten Figuren ihre Gefühle und schwelenden Konflikte verhandeln, zu ausufernd. Aber gerade diese Szenen wirken wie ein Stück authentischen Lebens und lassen uns an ihrer Welt teilhaben, als wären wir selbst regelmässig Gast am Küchentisch der Beijis. Ohne diese Gesprächspassagen wäre Kechiches unsentimentale Tragikomödie nicht der warmherzige, intelligente und überraschend komplexe Film, der er ist.

Julia Marx, Filmpublizistin

„La graine et le mulet“, Frankreich 2007, Regie: Abdellatif Kechiche, Darsteller: Habib Boufares, Hafsia Herzi, Faridah Benkhetache, Verleih: Pathé Films AG, Internet: http://www.pathefilms.ch, Filmwebsite: http://www.lagraineetlemulet-lefilm.com

Kinostart: 28. August 2008