La fille inconnue

Eine Stunde nach Schluss der Sprechstunde läutet es in der kleinen Vorstadtpraxis, die die junge Ärztin Jennifer Davin zusammen mit ihrem Praktikanten Julien versieht. Es könnte ein Notfall sein, gibt Julien zu bedenken. «Wer so spät läutet, dem ist es egal, wie müde wir sind», erwidert Jennifer – als ob sie nicht Hausärztin, sondern Inhaberin eines Gemüseladens wäre. Es war ein Notfall und er verändert ihr Leben. Anderntags erkundigt sich die Polizei nach den Aufnahmen der Überwachungskamera am Eingang zur Praxis. Sie stellt fest, dass die Person, die geläutet hat, identisch ist mit der jungen afrikanischen Prostituierten, die gegenüber tot aufgefunden wurde, bei einer Baustelle zwischen Lüttich’s berüchtigter Schnellstrasse und dem Flussufer der Meuse. Herkunft unbekannt, namenlos.

Wer war sie? Jennifer fühlt sich schuldig und will den Namen der Unbekannten herausfinden. Kein Mensch soll unwürdig, namenlos begraben sein! Während die Polizei im Drogenmilieu recherchiert, horcht sich Jennifer im Umfeld ihrer Patienten sensibel wie hartnäckig um und erfährt dabei von deren unerwarteten Lebenswirklichkeit. Mit ihrer manchmal gefährlichen Recherche verhilft sie auch der Polizei zur Wahrheit.

Dem Film liegt ein klug und packend inszeniertes Drehbuch um Schuld, Verantwortung und Zivilcourage zugrunde. Die Problemstellung beruht auf einer Situation und Entscheidung, die zwar denkbar, aber auch zufällig ist, und deshalb zu denken gibt.

Hans Hodel, Jurykoordinator Interfilm

«La fille inconnue», Belgien/Frankreich  2016, Regie: Jean-Pierre und Luc Dardenne, Besetzung: Adèle Haenel, Olivier Bonnaud, Louka Minnella; Verleih: Xenix Filmdistribution, Internet: http://www.xenixfilm.ch

Filmstart: 3. November 2016