La dernière fugue
Sam liebt seinen Grossvater. Jeder seiner Blicke verrät die tiefe Zuneigung zu dem alten Mann, der die Familienweihnacht immer wieder durch seine herrische Art stört. Anatole hat Parkinson, aber er war schon vor seiner Erkrankung alles andere als ein unkomplizierter, lieber Mann. Die Beziehung zu seinen längst erwachsenen Kindern ist schwierig, besonders der älteste Sohn trägt aus der Kindheit eine Kränkung mit sich herum. Sam aber liebt Anatole, wie er ist. Und er ist so über dessen desolaten Zustand betrübt, dass er ihm helfen möchte zu sterben. Weil er es widersinnig findet, sich am Lebensende den Lebensgenuss zu versagen, unterläuft er die medizinisch verordnete Vernunft samt ihren Cholesterintabellen. Eine jugendliche Unüberlegtheit – oder eben doch das, was die Romanvorlage «Une belle mort» nennt?
Léa Pool, die kanadische Meisterin präziser Familiendramen, setzt sich mit der Würde des Menschen im hohen Alter auseinander. Sie lotet die Tiefen und Untiefen eines Lebens sowie die unsichtbaren Bänder zwischen Familienangehörigen aus. Aufgrund der einschränkenden Krankheit samt Pflegebedürftigkeit erwächst auch die Frage nach einem selbstbestimmten Sterben. Wie der Film mit dieser heiklen Thematik umgeht, macht seine besondere Stärke aus. Er eröffnet Raum für Versöhnung und Abschied. Und der Anflug von Kitsch, der sich über die letzten Szenen zu legen droht, wird durch das abrupte Ende brillant weggefegt.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«La dernière fugue», Kanada 2010, Regie: Léa Pool, Besetzung: Yves Jacques, Jacques Godin, Andrée Lachapelle, Aliocha Schneider; Verleih: Filmcooperative Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch
Kinostart: 24. Februar 2011
