Kontroverse über den Film „Amen“
Eine Kontroverse entzündete sich an dem Plakatmotiv zu Costa-Gavras´ Film „Amen.“ nach dem Theaterstück „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth. Das Plakatmotiv, das anlässlich der internationalen Premiere auf der Berlinale als Titelseite des Presseheftes verbreitet wurde, zeigt eine Verschmelzung des Hakenkreuzes mit dem christlichen Kreuz, eine Art optischer Verdichtung der Hochhuth-These, Papst Pius XII. sei durch sein öffentliches Schweigen zum Holocaust mitschuldig geworden. Ausgedacht hat sich diese allein für Werbezwecke inszenierte Polemik der italienische Fotograf Oliviero Toscani, der sich durch seine Benneton-Werbung einen Ruf als Provokateur erworben hat.
Die französische Bischofskonferenz protestierte, eine den katholischen Traditionalisten nahe stehende „Vereinigung gegen Rassismus“ klagte und verlor vor Gericht. Auch die Deutsche Bischofskonferenz kommentierte des Motiv. Der Vorsitzende, Kardinal Lehmann, kritisierte die darin enthaltene grobe Verleumdung und Geschichtsklitterung und verwies auf die umfangreiche Dokumentation über den deutschen Katholizismus im Nationalsozialismus.
Die Frage nach der Rolle von Pius XII. ist aber nach wie vor umstritten, nachdem im vergangenen Jahr eine vom Vatikan eingesetzte, aus christlichen und jüdischen Wissenschaftlern zusammengesetzte Historiker-Kommission aufgrund von Kontroversen über die Veröffentlichungspolitik des Vatikanarchivs ihre Arbeit eingestellt hatte, kündigte man nun in Rom an, dass wichtige Dokumente aus der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur schon in den kommenden Jahren vorab veröffentlicht werden sollen.
Die Hochhuth-Fraktion wird aber selbst die umfangreichste Dokumentation kirchlichen Engagements für die verfolgten Juden nicht zufrieden stellen, hängt sie doch an der letztlich nicht zu beweisenden Hypothese, der Papst hätte durch ein einziges öffentliches Wort die Judenvernichtung stoppen können.
Der Film, der am 30. Mai 2002 in Deutschland starten soll, ist eigentlich weniger polemisch als das Plakatmotiv. Der Kern des Vorwurfs gegen Pius XII. bleibt, allerdings ist die Rolle des Papstes gegenüber dem Hochhuth-Drama sehr reduziert. Der Papst erscheint als weltentrückter Gottesmann, der die drängenden Probleme kaum wahrnimmt. Dagegen ist der Kardinalstaatssekretär die wesentlich aktivere Figur, was den historischen Gegebenheiten nicht entspricht. Hauptfigur des Films ist der SS-Obersturmführer Kurt Gerstein, Leiter des Hygieneinstituts, der für die Versorgung der Konzentrationslager mit Zyklon B verantwortlich ist, als engagierter evangelischer Christ die Öffentlichkeit über die Gräueltaten informieren will und sich an den Papst wendet, nachdem ihm schon Vertreter der eigenen Kirche wie z.B. der Berliner Stadtsuperintendent Dr. Otto Dibelius kein Gehör geschenkt haben. Aufgrund seiner konventionellen Machart und der zur Genüge bekannten Thematik, der er keine neuen Aspekte abgewinnen kann, war die Resonanz während der Filmfestspiele äusserst schwach.
Dr. Peter Hasenberg
Der Text wurde erstveröffentlicht unter: http://www.katholische-filmarbeit.de
Costa-Gavaras´ Film „Amen“ kommt Ende Mai in die Schweizer Kinos
