Kirchliche Preise am Filmfestival in Venedig
(medientipp) Am 12. September ging das 72. Filmfestival in Venedig zu Ende. Drei Regisseure durften sich über Auszeichnungen der kirchlichen Jurys von Interfilm und Signis freuen.
Dieses Jahr ging der Signis-Preis an «Behemoth (Beixi moshuo)». Mit einer Mischung aus dokumentarischen Aufnahmen, poetischen Bildkompositionen und Trickfilmszenen thematisiert das Werk des Jungregisseurs Liang Zhao die Folgen der Industrialisierung für Mensch und Umwelt in der Inneren Mongolei. Die katholischen Filmexpertinnen und -experten bezeichnen den Film in ihrer Stellungnahme als visuelle Repräsentation der päpstlichen Umweltenzyklika und halten fest: «Wenn ein Film ein Gebet sein kann, dann ist ‹Behemoth› eines, gemacht aus den Tiefen der Seele eines Künstlers, der von den Leiden jener Menschen spricht, die keinen Namen haben».
[bild55019|25872lw160h90c-] Mit einer Lobenden Erwähnung bedachte die sechsköpfige Jury ausserdem das französisch-italienische Drama «L’attesa (The Wait)». Regisseur Piero Messina begleitet in seinem ersten Kinospielfilm die Begegnung einer jungen Frau mit der Mutter ihres abwesenden Verlobten vor dem Hintergrund archaischer Osterprozessionen auf Sizilien. Die Fähigkeit des jungen Regisseurs, menschliche Erfahrungen wie Einsamkeit und Trauer in eine spirituelle Bildersprache zu übersetzen, überzeugte die international besetzte Jury.
Für «Wednesday, May 9 (Chaharshanbeh, 19 Ordibehesht)» durfte der iranische Regisseur Vahid Jalilvand den Interfilm-Preis zur Förderung des interreligiösen Dialogs entgegennehmen. Der gesellschaftskritische Spielfilm erzählt von Jalal, der per Zeitungsanzeige ankündigt, einer bedürftigen Person eine stolze Summe spenden zu wollen. Daraufhin wird er von Bittstellern belagert bis schliesslich die Polizei eingreift. Doch eine 19-jährige Schwangere und Jalals Ex-Freundin kämpfen hartnäckig um die Gunst des Gönners. [bild55020|25872lw160h90c-] Der Film, so das Urteil der dreiköpfigen Jury, verweise mit seinem Plädoyer für Mitgefühl, Erbarmen und Altruismus auf dem Hintergrund einer islamischen Kultur auf die Allgemeingültigkeit menschlicher Werte. Er ermutige dazu, interreligiöse Dialoge mit ethischen Fragen zu beginnen, statt über Dogmen zu streiten.
Seit 2011 verleiht eine von der protestantischen Filmorganisation berufene Jury den Interfilm-Preis zur Förderung des interreligiösen Dialogs an der Mostra Internazionale d‘Arte Cinematografico. Im Auftrag des Katholischen Weltverbands für Kommunikation zeichnet die Signis-Jury schon seit 1948 Wettbewerbsbeiträge am ältesten Filmfestival der Welt aus.
| Mitglieder der kirchlichen Jurys am Filmfestival Venedig 2015 Signis-Jury: Freddy Sartor (Juryräsident, Belgien), Sergio Perugini (Italien), Rose Pacatte (USA), María José Martínez (Ecuador), Jorge Yglesias (Kuba), Massimo Giraldi (Italien) Interfilm-Jury: Jörg Herrmann (Jurypräsident, Deutschland), Brigitte Affolter (Schweiz), Thanat Pagliani (Italien) |
