Kinogeschichten. Sexgeschichten
Lange wurde bei Liebesszenen im Film das Licht ausgeschaltet. Filme mit «eindeutigem Inhalt» waren kleinen privaten Kreisen vorbehalten oder dienten lediglich dem Interesse von Bordellkunden. Jahrzehntelang musste immer wieder der Schein eines Holzfeuers herhalten, denn die Zuschauer wollten Leidenschaft sehen, ohne dass diese zu anstössig oder verrucht wirkte. Erst dank der wagemutigen Filme von Ingmar Bergman und Louis Malle in den 50ern und der anschliessenden sexuellen Revolution in den 70ern konnte der Film eines der letzten Gebiete erobern, das ihm noch Widerstand leistete: die menschliche Sexualität. Warum aber löst die explizite Darstellung von Sex auf der Leinwand noch heute Polemiken aus, obwohl man praktisch jederzeit per Mausklick allerlei Nacktbilder ansehen kann? Weshalb verzichten Regisseure traditioneller, das heisst für Jugendliche freigegebener, Filme auf Sexszenen? Sollte der Autorenfilm bei Sexszenen auch heute noch das Licht ausschalten?
