Khamosh Pani
Die Geschichte Pakistans, seine Teilung im Jahr 1947 sowie die Militärherrschaft Ende der siebziger Jahre mit der Umwandlung in einen islamischen Staat wird im Erstlingswerk von Sabiha Sumar neu aufgerollt. Sie erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Frauen, die zu Zehntausenden vertrieben und verschleppt wurden. Viele sind bei der Teilung des Landes und der gewaltsamen Abgrenzung von Muslimen und Sikh ums Leben gekommen.
«Khamosh Pani» erzählt von Ayesha, die unter der Militärherrschaft von Zia ul Haq als Muslima in einem kleinen Dorf im pakistanischen Punjab lebt. Sie stammt ursprünglich aus einer Sikh-Familie und hat sich nach den tragischen Ereignissen von 1947 ein geregeltes Leben in der muslimischen Dorfgemeinschaft von Charkhi aufgebaut. Doch die traumatischen Erinnerungen steigen wieder auf, als sie erkennt, dass sich ihr Sohn Saleem fundamentalistischen Kreisen zuwendet und die Sikh-Herkunft der Mutter nicht ertragen kann.
Der Film zeigt den Mutter-Sohn-Konflikt als Teil eines gesellschaftlichen Radikalisierungsprozesses. Damit schärft er das historische Bewusstsein für die Ursprünge des islamischen Fundamentalismus in Pakistan. Die Regisseurin Sabiha Sumar wirbt aber vor allem für Verständnis gegenüber der Rolle von Frauen im heutigen Pakistan. Am Filmfestival von Locarno hat sie für das engagierte Sozialdrama zurecht den ökumenischen Preis sowie den goldenen Leoparden erhalten.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Khamosh Pani», Pakistan/F/D 2003, Regie: Sabiha Sumar, Besetzung: Kirron Kerr, Aamir Malik, Arshad Mahmud, Shilpa Shukla, Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch
Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden:
http://www.kath.ch/pdf/filmtipp_0504.pdf
Bericht Locarno 2003:
https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,4&meid=76805
